Krampfadern im Leistungssport: Katheter – und Kompressionstherapie verbessert Leistung und verkürzt Trainingspause – Update…

https://www.youtube.com/watch?v=dVgGhHD1zzI

 Krampfadern im Leistungssport wirken leistungshemmend und verlängern die Regenerationsphasen im Hochleistungstraining.
Wir wissen, dass es bei vielen Einzelsportlern und auch in Teamsportarten inzwischen den Trend zum Kompressionsstrumpf und der Kompressionskleidung gibt – neben den vielen Marathonläufern und Triathleten inzwischen auch immer mehr in typischen Teamsportarten, sei es im Fussball, sei es im Handball oder Volleyball, aber auch im Eishockey sowohl in der Trainingsphase, als auch im Wettkampf mit Kompressionsstrumpf arbeiten und sich ggf. einer Venendiagnostik im Rahmen des Medizinchecks unterziehen (z.b. SV Darmstadt 98 im Fussball, Rostock Griffins im American Football).

Robert Harting vor den Olympischen Spielen 2012… 

Wir haben zu diesem Thema bereits 2011 von Robert Harting Erstaunliches gehört: Durch sein Venenleiden konnte er kein Höhentraining mehr durchführen, die dritte Trainingseinheit täglich musste immer wieder ausfallen….die Beinmuskulatur war voll gelaufen…Und die Olympiavorbereitung London 2012 stand vor der Tür – er entschloss sich, vor dem Trainingsbeginn sein Venensystem sanieren zu lassen – im Urlaub. Und er ließ sich spezielle Sportkompressionsstrümpfe anfertigen Seit der Sanierung seines defekten Stammvenensystems an den Beinen konnte er vollständig ins Training einsteigen – und wurde 2012 dann Olympiasieger…er hat uns eine deutliche Entlastung der Beine während und vor allem auch nach dem Training beschrieben – und die Nagst verloren, eine Thrombose oder Lungenembolie zu erleiden.

 Hoher Venendruck im Muskel reduziert Sauerstoffaustausch – Laktatüberschuß führt zur Muskelübersäuerung

Die Auswirkungen von venösen Problemen und Krampfadern im Leistungssport sind noch recht wenig wissenschaftlich bearbeitet. Es ist jedoch pathophysiologisch bewiesen, dass ein durch den venösen Rückfluss in den Beinkrampfadern bedingter hoher Venendruck bis in die Kapillaren zurück wirkt und dadurch der notwendige Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid sowie Laktat und anderen Stoffwechselprodukten erheblich verlangsamt wird. Insbesondere Schnellkraftsportarten mit hoher Beinmuskelbelastung (z.B. Fussball, Handball, Radfahren, Football, Leichtathletik, Eishockey, Basketball) profitieren erheblich von einer schonenden Sanierung vorhandener Stammkrampfadern.

Pathophysiologische Betrachtung – Situation wie beim Raucherbein

Krampfadern bewirken durch den pathologischen Rückfluss venösen Blutes in den Unterschenkel eine erhebliche venöse Druckerhöhung in den Beinvenen gerade des Unterschenkels. Diese sog. venöse Hypertonie (-120 mm Hg = arterieller Druckwert!) wirkt sich ausgesprochen ungünstig auf die Gefäßendstrombahn (Venolen, Kapillaren, Arteriolen ) aus.  Es entstehen durchblutungsgestörte Haut – und Gewebebezirke mit pathologischen Gefäßveränderungen.  Der arterielle Druck in den Kapillaren sinkt extrem ab. Diese Situation ist vergleichbar der bei einem Raucherbein. Damit verlängert sich die Sauerstoffaustauschzeit auch im Muskel drastisch, dieser ermüdet schneller und braucht wesentlich länger zur Regeneration. Robert Harting (mehrfacher Diskus – Welt – und Europameister, Olympiasieger) beschrieb uns dies auf ganz anschauliche Weise: Er konnte nach langen Flügen nicht sofort ins Training einsteigen und die täglich geplanten drei Trainingseinheiten waren ebenfalls nicht möglich, da der Muskel „zu“ war…

Ein Viertel aller Marathonläufer trägt Kompressionsstrümpfe

Bei sportlichen Massenveranstaltungen, wie Cityläufen, Städtemarathon oder Triathlonwettbewerben, bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften oder im Turnier – und Ligasport sieht man zunehmend Athleten mit Kompressionsstrümpfen. Inzwischen sind auch in Mannschaftssportarten, wie im Fussball, Handball oder Basketball diese Strümpfe im Wettkampf alltäglich. Die Deutsche Sporthochschule in Köln schätzt, dass inzwischen 25% aller Spitzensportler oder Leistungssportler die Kompressionsstrümpfe zu ihrer festen Ausrüstung zählen. Im Jahre 2003 gewann Paula Radcliffe den London Marathon – sie war die Erste, die während des Wettkampfes Kompressionsstrümpfe getragen hat.

Ist der Effekt von Kompressionsstrümpfen in Meter und Sekunde messbar? 

Der leistungsfördernde Effekt ist recht schwer in Meter und Sekunde quantifizierbar, Allerdings ist die verbesserte Leistung der Muskelpumpe des Unterschenkels meßbar. Man spricht von bis zu 30% Leistungssteigerung – des sind natürlich enorme Werte, wenn es um Sprint, Beschleunigung und Sprung geht. Auch sind verbesserte psychische Leistungen quantifizierbar, Hingegen gilt als gesichert, daß es keine Abnahme der Leistungsfähigkeit gibt

Als gesichert kann gelten:

• Passende Kompressionskleidung fördert den venösen Rückstrom und den Rücktransport von Lymphflüssigkeit – ein Effekt, den man sich schon seit langer Zeit in der medizinischen Kompressionstherapie zunutze macht. Daher ist der Nutzen durch das Tragen von Sportkompressionssocken bei Sportlern mit einem Venenleiden oder einer Bindegewebsschwäche unumstritten.

• Kompressionsbekleidung reduziert Muskelvibrationen.

• Kompressionsstrümpfe stützen das Sprunggelenk und beugen durch die größere Wärmeentfaltung Muskel-, Sehnen -, Bänder- und Gelenkbeschwerden vor.

• Weniger gut trainierte Sportler profitieren mehr von Kompressionsbekleidung als Leistungssportler. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Breitensportler eher zu Mikrotraumata und Ödemen neigen als Leistungssportler

Eine optimale Regeneration ermöglicht eine wesentlich höhere Trainingsfrequenz und  – Intensität , dies hilft dem Hochleistungssportler. Im Gegensatz zu anderen regenerativen Maßnahmen, wie Massage, aktive Erholung, Kältetherapie, Wasserbädern oder Luftdruckkammern, Sauna oder Elektrostimulation, bei denen ein größeres Zeitfenster notwendig ist, braucht es dies bei der Kompression nicht.

Es gibt aber auch andere positive Aspekte: So fanden Forscher nach dem Laufen weniger Muskelverletzungen und Entzündungsbotenstoffe, wenn Sportler Kompressionshosen oder -strümpfe getragen hatten. Andere Meta-Analysen zeigen, dass sich Probanden mit engen Hosen und Strümpfen möglicherweise schneller erholen. Auch auf das Durchhaltevermögen wirkt sich der enge Stoff an den Beinen demnach positiv aus. So waren Sportler in Schlabberhosen bei Leistungstests früher erschöpft als jene in enger Kleidung.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26522739

 Eine spezifische Wirkung belegt das allerdings nicht. Stattdessen könnte die persönliche Wahrnehmung entscheidend sein. Die Kleidung fühlt sich für viele Läufer gut an und verändert das Körpergefühl. „Jede kleinste Empfindung zählt, wenn es darum geht, bei langen Läufen ins Ziel zu kommen“, sagt Chaudhari.

Hinzu kommt der Placeboeffekt. Es ist bekannt, dass die Erwartungshaltung besonders das Schmerzempfinden deutlich beeinflusst. So berichten einige Läufer beispielsweise, dass ihnen der Sport weniger anstrengend vorkommt, wenn sie Kompressionskleidung tragen. Es wäre interessant zu erfahren, ob ein labbriges Glücksshirt zum gleichen Effekt führt.

Unabhängig davon ist zuvor eine Venendiagnostik in jedem Fall zu empfehlen!

 SAPHENION empfiehlt gezielte Gefäßdiagnostik bei Leistung – und Hochleistungssportlern

Aus unserer langjährigen Erfahrung bei der Therapie von Krampfadern bei Spitzensportlern und leistungsorientierten Amateursportlern ergibt sich die Empfehlung, im Rahmen der Trainingsvorbereitung auf jeden Fall auch einen Gefäßscheck durchführen zu lassen. Die Untersuchung mit nicht invasiver Funktionsmessung und farbcodierter Ultraschalldiagnostik ist schnell und unkompliziert – auch im Trainingscamp – möglich.

Stammkrampfadern erfordern Therapie

Bei Nachweis einer Stammvaricosis sollte in Abstimmung mit dem Trainingsplan umgehend eine venöse Sanierung erfolgen. Grundsätzlich sind dazu alle nicht radikalen Therapieverfahren (Radiowelle, VenaSeal, Laser, Mikroschaum) geeignet. Hierbei sind Hautschnitte nicht notwendig und die Gewebezerstörungen sind sehr minimal.

Als Therapie der 1. Wahl sehen die europäischen Gefäßspezialisten seit 2015 die Katheterverfahren mittels Laser, Radiowelle oder VenaSeal – Therapie. Allerdings sind die thermischen Verfahren nicht mehr für den Einsatz am Unterschenkel  empfohlen.

Die ESVS (European Society of Vascular Surgery) hat dazu auch Leitlinien veröffentlicht.

Für uns ist Therapie der 1. Wahl das Venenkleben mit VenaSeal. Hierbei ist neben der fehlenden Narkose auch eine extrem geringe Gewebeverletzung und eine erheblich reduzierter post operativer Schmerz von Vorteil für einen möglichst sofortigen Trainingsbeginn. Kompressionsstrümpfe sind post op ebenfalls nicht notwendig.

Bereits am 1. Tag nach der Therapie ist eine Fortsetzung des Trainings – unter Berücksichtigung der Sportart und ggf. Adaptation der Trainingsbelastung in den ersten 5 Tagen –  möglich.  Dies haben uns zahlreiche Leistungs – und Breitensportler in den letzten 5 Jahren bestätigt.

 

 

Links:

Klinische Pathophysiologie;  W.Siegenthaler, Thieme-Verlag 1987

Newsletter „DERZIERAU“ 1/2010 – Krampfadern im Leistungssport

Kompression und Sport – Was ist belegt? Prof. Helmut Lötzerich; vasomed 1/2017, Seite 18

http://www.der-niedergelassene-arzt.de/fileadmin/user_upload/zeitschriften/vasomed/Artikel_PDF/2017/02-2017/Loetzerich.pdf

Kompressionstherapie im Sport. S.Surhof; Phlebologie 3/2014, Schattauer –  Verlag

Pöttgen K., Kohl M.; Kompressionsstrümpfe im Fussball. Medical Sports Network 2012: 3; 4-6

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/kompressionskleidung-macht-nicht-schneller-a-1150304.html

http://www.acsmannualmeeting.org/wp-content/uploads/2016/05/ACSM17_Abstracts_D_vFIN-web-gray.pdf

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26522739

 

 

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