Saphenion®: 9 Jahre Venenkleber

Saphenion®: 9 Jahre Venenkleber – Unser Vortrag

Saphenion®: 9 Jahre Venenkleber – Zu diesem Thema haben wir am 10.09.2021 einen Vortrag auf der 63. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Venenheilkunde (DGP) gehalten. Im Rahmen einer Sitzung zum Thema Kathetertherapie an Krampfadern mit nicht thermischen Verfahren ( Venenkleber) trafen wir uns mit Kollegen aus ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern, um eigen Erfahrungen darzulegen und in Vorträgen und der Diskussion Erfahrungen der Kollegen kennen zu lernen und zu vergleichen.

Die Organisation des Firmensymposiums lag bei der Firma „Medtronic“, dem Hersteller des VenaSeal®-Venenkleber -Systems, dafür unser große Dank!

Ein großer kollegialer Dank auch und vor allem an die eingeladenen Referenten. Dr. Bernheim aus München konnte in beeindruckender und klarer Weise die notwendigen Qualitätskriterien für endovenöse Therapieverfahren – eingeschlossen auch der Venenkleber – darlegen. Dr. Klauke aus Dortmund stellte seine ersten Ergebnisse beim Einsatz des Venenklebers dar und resümierte eine deutlich steigende Zahl von interessierten Patienten an diesem Verfahren. Auch bestätigte er unsere eigenen Erfahrungen – unsere Patienten sind inzwischen in hohem Maße über die Therapieverfahren informiert und fragen spezielle Methoden direkt nach.

Der Kölner Gefäßchirurg Dr. Fuchs legte in seinem sehr emotional gesprochenen Vortrag den Finger direkt in die Wunde, er fragte sich, wie wir uns alle fragen – warum sind in Deutschland in den meisten Fällen immer noch radikalchirurgische Therapieverfahren im Einsatz. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Ländern weltweit, in denen der Venenkatheter inzwischen Therapie der 1. Wahl ist und dem radikalen „Stripping“ – Verfahren nur noch ein Ausnahmestatus unter streng eingeschränkter Indikation zukommt. Besonders beeindruckend dann auch der Vortrag des jungen Kollegen Dr. Walker aus Ludwigsburg. Er stellte mit großer Empathie die ersten 1000 Tage seiner selbstständigen Praxistätigkeit dar. Es wurden das Pro und das Kontra dieses Berufsweges aufgezeigt, Entscheidungslinien und – gründe dargelegt und erste Erfahrungen skizziert. Und er hatte das Risiko auf sich genommen, den Venenkleber als Therapiemethode einzuführen. Und das mit Erfolg. Diese Darstellung erinnerte uns sehr an unserer eigenen Beginn vor 25 Jahren, wir erkannten im Vortrag unsere damaligen eigenen Gedanken, Ideen und Probleme nahezu deckungsgleich wieder! Seine Worte waren für uns ziemlich emotional und berührend!

Saphenion®: 9 Jahre Venenkleber – 109 Monate Anwendung bei 3263 Stammkrampfadern

Seit 1.8.2012 setzen wir den Venenkleber „VenaSeal“ in unseren Praxen in Berlin und Rostock ein. Nach den Beginn unserer fachärztlichen Tätigkeit in eigener Praxis, mit über 10 000 duchgeführten radikalen „Stripping“ – Op`s und der schrittweisen Einführung der Kathetermedizin auch in die Krampfadertherapie (Laser, Radiowelle, Mikroschaum) war der August 2012 doch ein Meilenstein. Mit dem non thermischen kalten Verfahren des Venenklebers begann die Zeit der schmerzärmeren Therapie von Stammkrampfadern und daneben sahen wir deutlich nebenwirkungsärmere Verläufe und sehr viel mehr schnelle Heilungsprozesse.

Saphenion®: 9 Jahre Venenkleber – Grundlagen und Erfahrungen

Der Einsatz des Bioklebers Cyanoacrylat geht auf dem Beginn der 60er Jahre zurück. Zunächst in der Zahnheilkunde und Kieferorthopädie eingesetzt, fand die Technik sehr schnell Eingang in die Unfallchirurgie und auch Orthopädie. Es folgten die Dermatologie und Chirurgie / Kinderchirurgie. Auch in der Gefäßchirurgie und Neurochirurgie / Neuroradiologie wurde zu beginn der 80er jahre mit dem Kleber gearbeitet. Es ist also keineswegs so, daß der Venenkleber ein medizinischer Versuchsballon war. Die Zulassung für die Behandlung von Stammkrampfadern erfolgte bereits in Europa 2011, in Kanada 2014 und in den USA in 2015. Dort ist der Venenkleber seit 2018 dann zur Pflichtleistung für alle Krankenversicherungen geworden.

In unserer nunmehr 9-jährigen Arbeit mit dem System konnten wir Patienten aller Altersstufen behandeln. Auch sahen wir für uns die Möglichkeit, alle betroffenen Stammkrampfadern jeweils in 1-2 Sitzungen simultan behandeln zu können. Eine Narkose wurde in keine Fall notwendig, wir verzichten auch auf vielfache Lokalanästhesiologie. Eine Beruhigungsspritze ist völlig ausreichend, auch bei der behandlung mehrerer Stammvenen simultan! In fast 16% unserer Fälle verzichteten unsere Patienten ganz auf eine Sedierung – sie wollten umgehend wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Saphenion®: 9 Jahre Venenkleber – Ergebnisse und Nebenwirkungen

Im Verlauf der vergangenen 109 Monate sahen wir over all eine Verschlußeffektivität von über 96%, d.h. von 100 behandelten Venen sind nach 9 Jahren 96 Venen verschlossen geblieben. Dies ist – auch im Methodenvergleich – ein sehr gutes Ergebnis! Dazu ist auch zu sagen, daß unsere Patienten in ausgeprochen hoher Zahl zu abgesprochenene Nachkontrollen in die Praxis kommen, und somit ein recht exaktes Bild klinischer Erfahrungen gezeichnet werden kann.

Das klinische Bild „Nebenwirkung“ ist ebenfalls sehr gut analysierbar – und im Vergleich der Therapietechniken ergibt sich auch hier ein sehr gutes Ergebnis: Schwere Nebenwirkung haben wir nicht gesehen, lediglich das Auftreten einer optisch und sensorisch sicht – und fühlbaren Fremdkörperreaktion (Roter Strich und Schwellung über der behandelten Vene) ist nennenswert aufgetreten und wird von uns entsprechend nachdrücklich aufgeklärt. Dies ist bei ca. 7,5% aller behandelten venen zu sehen – wir haben aber auch hier durch den therapiebegleitenden Einsatz der Sauerstoff – Mehrschritt – Therapie post operativ eine weitere Reduzierung um 30% erreichen können (eigene Studie dazu veröffentlicht)!

Saphenion®: 9 Jahre Venenkleber – Diskussion und Resümeè

Aus unserer Sicht nach 9 Jahren Einsatz gibt es für das Therapiesystem des Venenklebers eine große Zahl an Einsatzgebieten bei der Varicosis und insbesondere bei der Stammvaricosis. Die Qualitätsstandards entsprechen denen aller anderen Katheterverfahren, die Ergebnisse sind gleich oder besser, die Nebenwirkungsrate ist dem gegenüber aber deutlich geringer. Einzig die Kosten liegen über denen der anderen Katheterverfahren, lassen sich aber sehr gut durch simultane Einsatz an mehreren Stammkrampfadern absenken. Bis zu 6 Stammkrampfadern sind von uns bisher in einer Sitzung behandelt worden.

Die entscheidenden Vorteile des nicht thermischen – kalten Venenklebers liegen im Verzicht auf den Einsatz von mechanischer oder thermischer Energie mit den dabei entstehenden bekannten Nebenwirkungen. Der Schmerzpegel bei der Therapie ist ebenfalls deutlich geringer – in 16% der Fälle verzichten unsere Patienten auf jede Anästhesie oder Sedierung. Auch Kompressionsstrümpfe sind in der Regel nicht mehr notwendig.

Photos: Simone, Utzius

Literatur:

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