Saphenion®: Nebenwirkungen beim Krampfaderziehen?

Saphenion®: Nebenwirkungen beim Krampfaderziehen – Radikale Therapieverfahren und ihre Nebenwirkungen

Saphenion®: Nebenwirkungen beim Krampfaderziehen – In historischen Lehrbüchern geblättert, liest man ganz überrascht: “ Fast überall ist die operative Behandlung der Krampfadern ganz oder nahezu völlig verlassen…“. Und weiter heisst es: “ …die endovenösen Verfahren leisten Vollkommeneres…Obgleich viel tüchtige und intelligente chirurgische Arbeit in den verschiedenen Verfahren steckt, haben die meisten nur noch historisches Interesse…“ ! Diese Zeilen stammen aus der 7. Auflage der „Chirurgischen Operationslehre“ von Bier, Braun, Kümmell von 1958.

Gemeint ist in erster Linie die Operation nach Babcock, das klassische Herausziehen der Stammkrampfader vom Knöchel bis zur Leiste oder Kniekehle. Babcock hatte diese Technik 1906 erstmals beschrieben. Zugleich wird in diesem anerkannten Lehrbuch, dessen Begründer Ferdinand Sauerbruch war, das stückweise Auslösen und Entfernen von Krampfadern als veraltet und zu verletzend deklariert.

Die alten Chirurgen wollten endovenösen Verfahren zum Durchbruch verhelfen. So wie Sauerbruch seit 1928 an der Charitè begonnen hatte, mit hochprozentiger Glucoselösung Venen zu veröden, so empfehlen auch die o. Genannten eine katheterbasierte Verödung aller Venen.

Umso überraschter reibt man sich die Augen, wenn man sich die aktuellen Statistiken der in Deutschland durchgeführten Krampfaderoperationen anschaut. Mehr als 60% aller Krampfader-Operationen werden als radikale Stripping-Op`s durchgeführt! Warum dieser permanent andauernde Sinneswandel?

Saphenion®: Nebenwirkungen beim Krampfaderziehen – Lehrtext aus Bier, Braun, Kümell; Chirurgische Operationslehre; nach F.Sauerbruch, Verlag Barth Leipzig 1958

Saphenion®: Nebenwirkungen beim Krampfaderziehendie möglichen Schäden

Saphenion®: Nebenwirkungen beim Krampfaderziehen – Die Varizenchirurgie wird allgemein als harmlose Operation deklariert. In den Ausbildungsjahren des Autors an der Charitè war die Krampfadern – OP nach Babcock eine sehr beliebte Ausbildungs-OP. Eine harmlose Operation für Anfänger und Assistenten? Immerhin liegt ein völlig unkomplizierter Heilungsverlauf nur bei etwa der Hälfte der Patienten vor (51 %). Als häufigste Komplikation wird eine Schädigung oberflächlicher sensibler Nerven angeführt. In Großbritannien stellt die Hautnervenläsion den häufigsten Einzelgrund für juristische Klagen dar!

Die Operationszeit der Stripping-OP, der intraoperative Blutverlust (Hämatome an den Beinen für 4-6 Wochen), die Dauer im Krankenhaus, die Dauer im Bett und die Wiederaufnahme der Aktivitäten nach ca. 7-14 Tagen sprechen eine andere Sprache. Hier sind die kathetergestützten Therapieverfahren statistisch signifikant besser als das radikalchirurgische Herausziehen der Krampfadern. Allerdings ist auch zu sagen, daß es keine signifikanten Unterschiede zwischen den radikalen chirurgischen Op-Techniken und den kathetergestützten thermischen Therapieverfahren (Laser, Radiowelle) bei schweren Komplikationen (Embolie, Nervenläsionen) gibt.

Allerdings sind tiefe Venenthrombosen, Venenentzündung, schmerzhafte Blutergüsse, Wundschmerz der oft zahlreichen Hautschnitte und Wundinfektionen bei den radikalen Operationen deutlich häufiger.

Das Risiko für Hautpigmentierung und Mißempfindungen infolge einer Schädigung von sensiblen Nervenschäden ist bei nicht thermischen Katheterverfahren (Venenkleber, Mikroschaum,Clarivein) statistisch signifikant geringer als beim Stripping oder den thermischen Katheterverfahren.

Saphenion®: Nebenwirkungen beim Krampfaderziehen – Nervenschäden

Wir haben eine neue Literaturrecherche zur Komplikation Mißempfindung und Nervenschädigung nach Varizenchirurgie vorgenommen. Die Häufigkeit dieser Nervenschädigung liegt bei bei den verschiedenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zwischen 23 und 40% aller nachuntersuchten Patienten. Bei diesen Untersuchungen war auch auffällig, daß die Zahl an Nervenschäden in Abhängigkeit von der Zahl operierter Stammvenen ansteigt. Bei der Op an einem Bein lag der Wert bei 23-27%, bei der Op an beiden Beinen simultan wurde in 38-47% eine Nervenschädigung gesehen.

Dies enspricht auch den Erfahrungen bei Saphenion® – wir haben seit 1988 – 2012 ca. 10 000 Stripping-OP`s durchgeführt und eben auch diese häufige Zahl an sensiblen Nervenschäden konstatieren müssen.

Ähnliche Erfahrungen hat der Autor auch bei der endovenlösen Therapie mit Laser – oder Radiowellenkatheter gemacht. Beim Linearlaser war bei bis zu 30% der Patienten eine sensible Nervenschädigung fest zu stellen, bei dem eingesetzten Radiowellenkatheter lag diese Rate bei 23-25%.

Zum Verlauf der Nervenschädigung nach Stripping-Op gibt es noch keine sicheren Daten. Bei einer kleinen Anzahl von Patienten treten jedoch extrem belastende und invalidisierende, teilweise auch erhebliche motorische Störungen an den Beinen und Füssen auf, nach Morrison in 6,7% der Fälle. Falls die Läsion Rezeptoren in Gelenknähe tangiert, so kann eine schwere Gelenkinstabilität die Folge sein. Dies betrifft insbesondere Kniegelenk, Sprunggelenk, die Fußsohlen – und Zehengrundgelenke.

Die motorischen Störungen treten durch eine Nervenschädigung intraoperativ ein. Dies kann durch Nervendurchtrennung beziehungsweise andere Nervenschädigungen hervorgerufen werden. Bei postope- rativem Auftreten ist ein Neurinom, eine Narbenreaktion in der Nähe der Nerven oder auch eine postoperative Venenentzündung mit Druck auf Hautnerven als Ursache anzusehen.

Saphenion® Nebenwirkungen beim Krampfaderziehen – Kathetertherapie als bessere Alternative

Die Behandlung von Krampfadern mit endovenösen kathetergestützen Methoden hat sich in den letzten 20 Jahren als wirksame Alternative zur offenen Chirurgie mit Stripping etabliert. Obwohl diese Methoden in der Summation sehr schonend und patientenfreundlich sind, gehen sie dennoch mit Risiken und Nebenwirkungen einher. Dies betrifft insbesondere die thermischen Verfahren (Laser, Radiowelle, Heißdampf).

Im Vergleich zur offenen chirurgischen Therapie ist das Risiko einer Schädigung der peripheren und motorischen Nerven zwar verringert, aber aufgrund von Hitzeeinwirkungen beim Laser (-800°C) oder der Radiowelle (zwischen 70-120°C) und auch der notwendigen Tumeszenzanästhesie kommt es zu Nervenschädigungen.

Die seit 10 Jahren etablierten nicht thermischen Verfahren Venenkleber, ultraschallgestützte Mikroschaumtherapie oder Clarivein werden ohne Tumeszenzanästhesie eingesetzt. Sie stellen damit ein erheblich geringeres Risiko für Nervenläsionen dar und erweisen sich deshalb auch als deutlich wirksamer. Dies belegen z. B. 8-Jahres-Langzeitstudien zum Venenkleber. Hier liegt die Effektivität des gewollten dauerhaften Stammvenenverschlusses am Bein in Abhängigkeit von den Studien und der Erfahrung der Therapeuten bei 93-97%.

Dieser Erkenntnis folgend hat die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) die nicht thermischen Verfahren in den aktuellen 2019 er Leitlinien als Therapie der 1. Wahl bei Behandlungen der hinteren Stammkrampfader (Vena saphena parva) definiert. Internationale Leitlinien gehen hier sogar noch etwas weiter und empfehlen inzwischen ausdrücklich den Einsatz nicht thermischer Verfahren.

Das radikalchirurgische Stripping wird demnach als Therapie der 1. Wahl insbesondere noch in speziellen Indikationen gesehen.

Photos: Utzius, Gemäldesammlung Saphenius

Referenzen / Links:

Bier, Braun, Kümmell: Chirurgische Operationslehre, 7. Auflage; J.Ambrosius Barth, Leipzig, 1958, begründet von Ferdinand Sauerbruch

Weber, J. und R. May: Funktionelle Phlebologie: Thieme Verlag 1990

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https://www.der-niedergelassene-arzt.de/medizin/kategorie/gefaessmedizin-1/nervenlaesionen-nach-operativer-therapie-der-varikose-unter-beruecksichtigung-verschiedener-anaesthesieverfahren

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http://www.saphenion.de/news/saphenion-faktencheck-venenkleber-fuer-krampfadern-update-22/