Saphenion Protokoll Prophylaxe Reisethrombose

Dr. U.Th.Zierau et PD Dr. W.Lahl

Aktuell: Saphenion Protokoll Prophylaxe Reisethrombose

Empfehlungen zur effektiven Prophylaxe

Ganzjährig werden Langstreckenflüge z. B. nach Thailand, Australien, Brasilien oder in die USA gebucht – Fernreisen liegen im Trend. Neu in dieser Gruppe sind ältere Patienten, die eigentlich mit dem Kreuzfahrtschiff fahren aber zunächst mit dem Flugzeug längere Strecken zum Starthafen fliegen müssen. Diese Gruppe von Patienten ist bisher in den zum Thema gehörenden wissenschaftlichen Untersuchungen noch nicht exakt erfasst worden. Es ist aber aus gefäßchirurgischer Sicht davon aus zu gehen, dass  sich in dieser Gruppe der Ferntouristen deutlich höhere Risiken für Reisethrombosen finden lassen. Deshalb haben wir das Saphenion Protokoll Prophylaxe Reisethrombose zusammen gestellt.

Wir hatten in der Vergangenheit, insbesondere in den Sommerwochen und im Frühherbst viele Patienten, die uns um Rat fragten. Oder mit einer im Urlaubsland oder auf dem Kreuzfahrtschiff begonnenen, unzureichenden Thrombosetherapie zu uns in die Praxis kamen. Inzwischen sehen wir diese Patienten allerdings das ganze Jahr bei uns. Jede Woche bekommen wir Anfragen zur Problematik der Reisethrombosen – jeden Monat müssen wir entsprechende Therapien einleiten oder fortsetzen. Somit stellt sich die Frage:

Nimmt die Zahl an Reisethrombosen zu? Aus unserer Erfahrung in den beiden Venenzentren Berlin und Rostock ein eindeutiges JA!

Warnowufer im Frühling

Risiko Venenthrombose, Risiko Lungenembolie

Eine wichtige Ursache der venösen Lungenembolien ist die tiefe Venenthrombose. Sie entsteht durch die Bildung eines Blutgerinnsels in den Bein­venen, das den Blutfluss beeinträchtigt. Der Patient bemerkt die Thrombose durch Schmerzen im Bein. Es schwillt an und ist druckschmerzhaft, schwer und auch gerötet. Meistens beginnt eine Reisethrombose in den oberflächlichen oder tiefen Venen des Unterschenkels, hier ist auch der Venendruck am höchsten – zwischen 90 – 110 mmHg. 

Somit sind alle Reisenden, die lange im Flugzeug, Auto oder auch im Fernbus unter beengten Verhältnissen sitzen, potentiell einem Thrombose – Risiko ausgesetzt. Ohne eine entsprechende Krankheitsanamnese ist das Risiko zwar gering (1:5000), sind jedoch Thrombosen oder Venenentzündungen in der Familie bekannt oder hat eine Operation vor der Reise stattgefunden, ist eine Thrombose nicht selten. Besteht eine Schwangerschaft oder sind Krampfadern vorhanden, steigt das Risiko auf das 8 -12 fache! Am höchsten ist das Risiko bei Frauen kurz nach der Entbindung.

Besonders zu beachten ist die früher als Venenentzündung bezeichnete Oberflächliche Venentrombose (OVT). Diese betrifft häufig nur einen kleinen Seitenast, zeigt sich in einer Rötung und schmerzhaften Verhärtung der Vene über eine kurze Distanz von 2-5 cm. Aber ein Patient kann nicht einschätzen, was sich in der Tiefe bereits abspielt. Hat sich die OVT bereits in eine Verbindungsvene oder eine Muskelvene ausgedehnt oder vielleicht schon in das tiefe Venensystem. Diese Fragen stehen aber akut an – und sie sind nur durch eine umgehende Ultraschalluntersuchung zu klären. Im Flugzeug oder auf dem Schiff ist dies jedoch eher selten durchführbar – deshalb ist eine Therapie ex juvantibus (aus der Erfahrung der Wirkung heraus) zunächst ohne Diagnostik sinnvoll.

Siehe dazu auch unsere Therapieempfehlungen für die Oberflächliche Venenthrombose:

http://www.saphenion.de/news/saphenion-therapieprotokoll-oberflaechliche-venenthrombose/

Stehende Blutsäule im tiefen Venensystem 

Fernreisen begünstigen solche Probleme, weil das Blut beim langen Sitzen nicht wie sonst frei im Bein zirkulieren kann. Die Symptome können relativ kurz nach der Reise auftreten, aber auch bis zu vier Wochen danach. Das betrifft grundsätzlich alle Reisemittel, also auch Fahrten im Auto oder im Bus. Das Risiko ist aber vor allem bei längeren Flugreisen erhöht. Wir Mediziner vermuten, dass neben der eingeschränkten Bewegungsfreiheit auch die speziellen Bedingungen in der Flugzeugkabine mit niedrigem Druck und geringerer Sauerstoffversorgung daran beteiligt sind. Entscheidend ist bei der venösen Thrombose, daß die venöse Blutsäule in den Venen des Beines, insbesondere in den Unterschenkelvenen über längere Zeit „steht“. Dies löst dann eine Gerinnungskaskade aus, die zunächst mit einem lokalen Verschluss der Vene beginnt und sich bei fehlender Therapie dann in den tiefen Venen in aufsteigender Richtung fortsetzt. Das Lungenembolie – Risiko steigt drastisch auf 60% an, wenn die Thrombose die Knievene erreicht. Der Autor hat eben diesen beschriebenen Mechanismus auch selbst erlebt.

Berlin Dom und IHZ

Vorbeugende Therapiekonzepte

Für das Saphenion Protokoll Prophylaxe Reisethrombose wurden einige Studien analysiert. Insgesamt ist die Datenlage auf dem Gebiet der Reisethrombose jedoch noch recht schwach. Zu Fragen der Prävention von Reise­thrombosen gibt es nur wenige Stu­dien, so dass die meisten Empfehlungen auf Experteneinschätzungen beruhen. Da­raus resultieren international auch unterschiedliche Leitlinienempfehlungen. Während britische Fachleute neben allgemeinen Maßnahmen für eine ganze Reihe von Patienten wadenlange Kompressionsstrümpfe empfehlen, weist die deutsche Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) darauf hin, dass bei gesunden Personen wegen des geringen Risikos in der Regel außer den allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen keine weiteren Vorkehrungen notwendig sind. Die US-Leit­linie spricht sich explizit gegen den Einsatz von Anti­koagulanzien zur Prävention einer Reisethrombose aus. Britische und deutsche Mediziner empfehlen – wie wir auch – bei Reisenden mit hohem Risiko nach individueller Abwägung eine Einmalgabe von niedermolekularem Heparin. Insbesondere in den USA werden von Reisenden ASS / ASPIRIN und ähnliche, frei verkäufliche preiswerte Thrombozytenaggregationshemmer als Thromboseprophylaxe allgemein favorisiert.

Diese Therapie ist nach unserer Meinung jedoch weitgehend wirkungslos. Bereits in 1988 hat der Autor in seiner Dissertation an der Humboldt Universität Berlin darauf hingewiesen, dass diese Substanzen im Venensystem keine wesentliche antithrombotische Wirkung erreichen. Diese Aussage wird von vielen Autoren auch aktuell bestätigt.

Moscow City Center

Saphenion Protokoll Prophylaxe Reisethrombose

Wir empfehlen für die Reisesaison, egal ob Bus, Flugzeug oder lange Autofahrt folgende Prophylaxe:

Tragen von Kompressionsstrümpfen Klasse 1 – 2 bei Flügen von mehr als 2 Stunden Dauer für Patienten mit bekannten Risikofaktoren und bei bestehendem Krampfaderleiden.

Einmalige Injektion von Heparinpräparaten vor Reisebeginn bei Patienten mit bereits bekannter tiefer Venenthrombose oder Oberflächlicher Venenthrombose (früher: Venenentzündung)gerade bei diesen Patienten ist unter aktuellen Therapiekriterien eine Heparinprophylaxe neu zu empfehlen, da das Risiko einer Tiefen Venenthrombose erheblich steigt.

Die Gabe von Heparin bei Schwangeren und Müttern unmittelbar nach der Entbindung muss individuell diskutiert werden.

Und es sollte unbedingt eine Sanierung des Venensystems erfolgen, wenn bereits Oberflächliche Venenthrombosen stattgefunden haben. Hier steht eine ganze Palette endovenöser Therapieverfahren zur Verfügung. Diese sind bereits 6-8 Wochen nach einer akuten OVT anwendbar. Eine radikal -chirurgische Therapie ist nicht mehr notwendig.

Vaci Utca Budapest

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