Über 100 Jahre endovenöse Verödungstherapie bei Krampfadern – over 100 years sclerotherapy of varicose veins.

Über 100 Jahre endovenöse Verödungstherapie

„Wer sich mit der Verödung von Krampfadern praktisch befasst, muß wissen, daß keineswegs jede erweitere Vene eine Varice ist, sondern nur diejenige, in der der umgekehrte, der „perverse“ Kreislauf herrscht…In jeder voll ausgebildeten Krampfader haben wir es bei aufrechter Körperhaltung mit einem „Privatkreislauf “ zu tun, in dem das der Oberschenkelvene entstammende Blut von oben in die V. saphena hinab stürzt, um unten wieder ins Stromgebiet der Beinvenen zu münden, also wieder zur Peripherie gelangt, ohne die Lungen passiert und ohne Sauerstoff aufgenommen zu haben“. (Kurt Holzapfel, 1931, Zentralblatt f. Chirurgie)

Over 100 years endovenous scelotherapie

„Anyone who deals with the practice of varicose veining needs to know that by no means every enlarged vein is a varice, but only the one in which the reverse, the“ perverse „cycle prevails … In every fully developed varicose vein, we have it upright to do with a „private cycle“ in which the blood originating from the femoral vein plunges down from above into the saphenous vein to flow down again into the flow of the leg veins, thus returning to the periphery, without passing through the lungs and absorbed without oxygen to have“. (Kurt Holzapfel, 1931, Zentralblatt f. Chirurgie)

Der Beginn der endovenösen Verödungstherapietherapie vor 107 Jahren

Der Urheber der endovenösen Verödungstherapie war der Tübinger Arzt Prof. Paul Linser. Er begann bereits 1911 mit der Injektionstherapie von Krampfadern und nutzte dazu Kochsalzlösung. Lange Jahre arbeitete er dann in Berlin. Erst 1916 machte er seine Methode bekannt – und schon begannen schwere fachlichen Grabenkämpfe zwischen den operativ tätigen Chirurgen,  die das Herausziehen bevorzugten und den Injektionsärzten. Im Jahre 1931 berichtete Linser von über 50 000 Einzelverödungen. In drei Fällen kam es zu Embolien.

The beginning of endovenous slerotherapy 107 years before

The author of the injection therapy (sclerotherapy) was the Tübingen doctor Prof. Paul Linser. He began in 1911 with the injection therapy of varicose veins and used to saline. He was working for a long time also in Berlin. Only in 1916 he made his method known – and already started serious professional trench battles between the operating surgeons who preferred the withdrawal and the injection physicians. In 1931, Linser reported more than 50,000 individual disasters. In three cases there were embolisms.

Paul Linser (1873 – 1963)

Die endovenöse Verödung von Krampfadern – ambulante Therapie in den 20er Jahren.

Nach den tausendfachen  erfolgreichen Verödungen durch Linser fanden sich viele interessierte Kollegen, die sich der Injektionstechnik ebenfalls annahmen. So der Berliner Frauenarzt Karljosef Baur oder der Berliner Chirurg G. A. Salomon ( geb. Berlin 1849) berichteten Ende der 20er Jahre ebenfalls von ihren Ergebnissen mit der Injektionstherapie. Die Emboliegefahr wurde intensiv diskutiert. Der Chirurg Felix G. Meyer (geb. Berlin 1890), ebenfalls aus Berlin,  kombinierte die operative Umstellung von Krampfadern mit einer Injektionstherapie von Sublimatlösung. Sein Bericht stamm aus dem Jahre 1924.

Der Chirurg Walter K. Fränkel (geb. 1889 Berlin), ebenfalls Berliner, verwarf die chirurgische Therapie der hohen Saphena – Unterbindung ganz und verwies auf das hohe Thromboserisiko dieses Eingriffs in Verbindung mit der Verödung von Krampfadern. Fränkel war auch der Erste, der die Verwendung hochprozentiger Zuckerlösung zur Verödung /  Verklebung der Krampfadern empfahl….eine ganz entscheidende Entdeckung war getan!

Ein weiterer Vertreter der Verödungsfraktion war C. Baur – er verwendete Varicocid – Lösung (Natriumsalze).

Weniger erfolgreich war der Chirurg  A . v.  Danckelmann (geb. 1898 Montevideo) aus der Chirurgischen Klinik der Berliner Charité  mit der Verwendung vom A.T.10 ( ein Antititanikum ).

Ernst Wreszynski stellte schon 1929 fest, dass sich 20% Kochsalzlösung und 66% Glucoselösung allgemein als Verödungsmittel durchgesetzt haben.Er empfahl auch die Therapie am liegenden Patienten – wie sie heute im Allgemeinen auch bei der Mikroschaumtherapie praktiziert wird – um die Gefahr von Hautnekrosen infolge fehlerhaften Spritzens in das Gewebe hinein – zu verringern. Er war auch der Erste, der die V. saphena magna in peripherer Richtung verödete. Die Einstichstelle lag unterhalb des Kniegelenkes.

Erich Herzberg, von 1912 – 1924 Assistent bei August Bier an der Chirurgischen Klinik der Charite`, entwickelte 1929 eine Doppelstaubinde zur Vereinfachung der Injektionstherapie. Der zwischen den beiden Staubinden liegende Varizenbereich konnte so maximal gestaut und damit am besten therapiert werden. Herzberg entwickelte auch eine halbrunde Troikart – Nadel mit Anschliff. Diese solle eine Verletzung der Venenwände verhindern.

Doppelstaubinde und Verödungsnadel von Erich Herzberg (Chirurgische Klinik der Charité)

Auch die offenen Beine (Ulcus cruris) wurden mittels endovenöser Verödungstherapie therapiert. Vertreter dieser Technik waren Wreszynski, Baur, Salomon.

Bierendempfel, Chirurg in der Berliner Charité , stellte bereits 1927 fest, dass die Verödungstherapie hervorragende Frühergebnisse zeigt, er jedoch noch auf Langzeitergebnisse wartet. Im Ergebnis dieser klaren Message wurden dann ab 1930 in der Chirurgischen Klinik der Charité keine radikalchirurgischen Operationen mehr (Stripping) an den Krampfadern durchgeführt. Die Chirurgische Klinik, seit 1928 unter der Leitung von Prof. Ferdinand Sauerbruch stehend,  hatte sich der endovenösen Verödungstherapie verschrieben.

The sclerotherapy of varicose veins  – outpatient therapy in the Twenties.

After the thousands of successful desolations by Linser many interested colleagues found themselves, the injection technique also accepted. The Berlin gynecologist Karljosef Baur or the Berlin surgeon G.A. Salomon (born 1849,Berlin), for example, also reported their results with injection therapy at the end of the 1920s. The risk of Emboly was discussed intensively.

The surgeon Felix G. Meyer (born 1890, Berlin), also from Berlin, combined the surgical conversion of varicose veins with an injection therapy of sublimate solution. His report dates from 1924.

The surgeon Wilhelm K. Fränkel, (born 1889, Berlin) also from Berlin, completely rejected the surgical treatment of the high saphenous ligation and pointed out the high risk of thrombosis associated with the obliteration of varicose veins. Fränkel was also the first to recommend the use of high-percentage sugar solution for the sclerotherapy / sealing the varicose veins …. a very crucial discovery was done!

Another representative of the sclerotherapy fraction was C. Baur – he used varicocid solution (sodium salts). Less successful was the surgeon E. v. Danckelmann (born 1898, Montevideo) with the use of the A.T.10 (an antititanikum).

Already in 1929, Ernst Wreszynski found that saline and 66% glucose solutions were generally used as a sclerosing agent. He also recommended lying patient therapy – as is commonly practiced in microfoam therapy today – to reduce the risk of skin necrosis due to defective skin splashing into the tissue – to reduce. He was also the first to desolate the V. saphena magna in the peripheral direction. The puncture site was below the knee joint.

Erich Herzberg, Assistant to August Bier at the Charité Surgical Clinic from 1912 to 1924, developed a double-dust bark in 1929 to simplify injection therapy. The varicose area lying between the two spots of dust could thus be maximally dammed up and thus best treated. Herzberg also developed a semicircular troicart needle with bevel. This should prevent a violation of the vein walls.

The open legs (ulcus cruris) were also treated by injection therapy. Representatives of this technique were Wreszynski, Baur, Salomon.

Bierendempfel, a surgeon in the Berlin Charité, noted as early as 1927 that her injection therapy showed excellent early results, but he was still waiting for long-term results. As a result of this clear message, no surgery on the varicose veins was performed at the Charité Surgical Clinic from 1930 onwards. The Surgical Clinic, under the direction of Prof. Ferdinand Sauerbruch since 1928,  had prescribed the sclerotherapy.

Ferdinand Sauerbruch (1875 – 1951) – Gemälde by Max Liebermann

In 50er Jahren Verödungstherapie bei Krampfadern in der DDR 1. Wahl.

 In der 1958 neu erschienenen 7 . Auflage der OP-Lehre von Ferdinand Sauerbruch, herausgegeben von Bier, Braun und Kümmel, erschienen 1958 im Leipziger Verlag Johann Ambrosius Barth, stellen die Chirurgen eindeutig fest – die ( endovenöse) Verödungstherapie ist die 1. Wahl, das Herausziehen ist im Allgemeinen verlassen. Im Gegensatz zu dieser Fachaussage aus dem Ostteil Deutschlands (DDR)  hatte die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (BRD) bereits 1949 das Herausziehen der Stammkrampfadern durch die Babcock`sche Stripping – OP als Methode der 1. Wahl deklariert.

Die Chirurgen aus Leipzig und Halle empfahlen die Verwendung von hoch konzentrierter Zuckerlösung – die Linser – Lösung wurde inzwischen wegen ihrer hohen toxischen Komponente abgelehnt. Auch Kochsalzverödungen wurden besprochen, hier wurde jedoch auf das hohe Risiko für Hautnekrosen  bei einer Injektion neben das Gefäß – in das Gewebe –  gewarnt.

Heute ist hochprozentige Zuckerlösung wieder up to date – im Sealing Foam kommt diese Klebekomponente neben dem Verödungsmedikament Ethoxisklerol zum Einsatz.

 

 In 50s sclerotherapy in the GDR therapy of the 1st. choice

 In the 1958 newly published 7th edition of the surgical teaching by Ferdinand Sauerbruch, published by Bier, Braun and Kümmel, published in 1958 in the Leipzig publishing house Johann Ambrosius Barth, the surgeons clearly state – the (endovenous) sclerotherapy is the 1st choice, pulling out is generally abandoned. In contrast to this specialist statement from the eastern part of Germany (GDR), the German Society of Surgery (FRG) had already declared in 1949 the withdrawal of the stock varices by Babcock ’s Stripping OP as a method of first choice.

The surgeons from Leipzig and Halle recommended the use of highly concentrated sugar solution – the Linser solution has since been rejected because of its high toxic component. Saline sclerotherapy was also discussed, but here was warned about the high risk of skin necrosis in an injection next to the vessel – in the tissue. Today, high-percentage sugar solution is again up to date – in Sealing Foam this adhesive component is used in addition to the sclerotherapy ethoxisklerol.

Quellen:

  1. Brungräber, Simone: „Der Beitrag Berliner Chirurgen zur Entwicklung der deutschen und europäischen Gefäßchirurgie bis 1939“- Dissertation A, vorgelegt der Medizinischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin; 1/1995; Betreuer Prof. Dr. Klaus Bürger, Dr. Ulf Th.Zierau

  2. Baur, Carl Josef: Berliner Medizinische Gesellschaft; 23.1.1935;  Dtsch. Med. Wschr. 61; (1935); S. 403;

  3. Baur, C. J.: Krampfaderverödung bei Ulcus cruris. Dtsch Med. Wschr.: 60 ( 1934); S. 761.

  4. Baur, C.J.: Krampfaderverödung: Ihre Bedeutung für Wehrmacht und Krankenkassen. Münchner Med. Wschr. 88 (1941); S.  89 – 92.

  5. Bierendempfel: Über die Bedeutung des Injektionsverfahrens bei der Varizenbehandlung mit Berücksichtigung des “ Varicophtins“; Dtsch..  Med. Wschr.: 53; (1927)  S. 446 – 448.

  6. Linser, P.: Krampfaderverödungen;  Zbl. Gyn. 1931; Nr.17.

  7. Meyer,  F. G.: Über Varizenbehandlung mit den Linser`schen Sublimatinjektionen;  Dtsch. Med. Wschr. 50 (1924 ); S. 1832 f.

  8. Salomon,A.: Injektionsbehandlung der Krampfadern. Dtsch. Med.. Wschr. 54; 1928; S14-16

  9. Wresszynski, E.: Zur Verödungstherapie der Varizen mit sklerosierenden Injektionen. Etsch. Med. Wschr.; 55 (1929); S 791 f.

  10. Zierau U. Th.: Brungräber, S.:  Das gefäßchirurgische Erbe: Die Entwicklung Berlins zu einem Zentrum gefäßchirurgischer Forschung in Europa im Zeitraum von 1880 – 1930. angio 16 (1994); Nr. 3; S. 93 – 105

  11. Deutsches Chirurgenverzeichnis; 3. Auflage; Johann Ambrosius Barth; Leipzig, 1938

  12. Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des 19. JH.; Urban & Schwarzenberg; 1901

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.