Saphenion®: Ist die ambulante Medizin gefährdet?

Saphenion®: Ist die ambulante Medizin gefährdet? Neues von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Saphenion®: Ist die ambulante Medizin gefährdet? Vor akuten Gefahren für die Finanzierung und damit die Sicherstellung der ambulanten haus – und fachärztlichen sowie psychotherapeutischen Versorgung warnte kürzlich die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Man war sich in der Kollegenrunde einig, dass notfalls mit juristischen Mitteln gegen die Gesetzesvorgaben der Bundesregierung (Gesundheitsminsterium: Kal Lauterbach) und die Maßnahmen der Gesetzlichen Krankenkassen zur Kostendämpfung und finanziellen Entlastung auf den Schultern der ambulanten Medizin vorgegangen werden muss.

Saphenion®: st die ambulante Medizin gefährdet? Befragung von Ärzten in der Zeitschrift Deutsches Ärzteblatt

Die Delegierten der Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) forderten den KBV-Vorstand auf, eine Klausurtagung zu organisieren, in deren Rahmen „über die Zukunft der ärztlichen Selbstverwaltung, die Möglichkeit der Fortführung des ambulanten ärztlichen Sicherstellungsauftrages und eine Wiedereinführung des Streikrechts“ diskutiert werden soll.

Die derzeitigen gesetzlichen Vorgaben des Sozialgesetzbuches (SGB) V und die daraus resultierenden „nicht mehr akzeptablen Beschlüsse“ gefährdeten akut die Finanzierung und Sicherstellung der ambulanten Versorgung, heißt es in einem am 23. September gefassten Beschluss. Zudem soll der aktuelle Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses (Gesetzlichen Krankenkassen, Bundes-KV – Aufsicht durch Gesundheitsministerium) zur Anpassung des Orientierungswertes juristisch geprüft und gegebenenfalls eine Klage eingereicht werden.

Ganz offensichtlich wurden bei der Kalkulation neuer Budgets und Honorare für ambulante ärztliche Leistungen die Zahlen der massiven Inflation (Sachgüterkosten für OP, Verbände, Medikamente usw.) und die expotentiellen Steigerungen von Energie – / Wärmekosten nicht berücksichtigt. Grundsätzlich stellt die geplante sog. Kostenanpassung einen Nachteil für die ambulante Versorgung und einen massiven Wettbewerbsnachteil“ im Vergleich zu den Krankenhäusern dar.

Saphenion®: Ist die ambulante Medizin gefährdet? Ein „Schlag ins Gesicht“

Zwar habe sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen mit seiner honorarbezogenen Totalverweigerung im Erweiterten Bewertungsausschuss nicht durchsetzen können, das Ergebnis einer Steigerung des Orientierungswertes um zwei Prozent (2%) stelle dennoch ein massives Zugeständnis an die über 100 Kassen und einen Schlag ins Gesicht aller niedergelassenen Kollegen dar. So fasste Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, die Stimmung in den Praxen zusammen.

Laut Berechnung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) bringe die Anpassung des Orientierungswertes den Praxen jeweils rund 5 200 Euro. Jedoch, allein für die tarifbedingte Anpassung der Mitarbeitergehälter haben die Praxen im vergangenen Jahr, wie auch in Vorjahren, rund 5 400 Euro aufwenden müssen. –

Unter dem Strich werden die Praxen für das laufende Jahr 2022 also erneut draufzahlen. Dazu kommt nunmehr, dass auch alle Praxen (wie auch der Bäcker, Fleischer, Einzelhändler, Apotheker) mit enorm steigenden Energiekosten zu kämpfen hätten.

Die Praxen niedergelassener Ärzte sind als „Rückgrat der medizinischen Versorgung“ ein Teil der systemrelevanten kritischen Infrastruktur. Somit ist eine ähnliche Unterstützung wie bei den Krankenhäusern zu fordern. Hierzu hat sich die KBV zusätzlich sowohl an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) als auch an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gewandt.

Saphenion®: st die ambulante Medizin gefährdet? Befragung von Ärzten in der Zeitschrift Deutsches Ärzteblatt

Saphenion®: Ist die ambulante Medizin gefährdet? Neupatientenregelung erhalten!

Scharfe Kritik wurde auch an der geplanten Streichung der Neupatientenregelung (seit 2019 von Jens Spahn eingeführt, um die Wartezeiten auf Termine zu verkürzen…) geübt. Auch der Bundesrat hat sich gegen die Abschaffung der Regelung positioniert.

Die Begründung Lauterbachs, dass auch die Vertragsärzte- und Psychotherapeutenschaft einen Beitrag zur Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) leisten müsse, kann nicht gelten und zeugt von einer massiven Verdrängung der Realität in der ambulanten ärztlichen Medizin. Einen solchen Unterstützungsbeitrag entrichte man bereits seit 30 Jahren, denn es wurde 1993 eine Budgetierung in der vertragsärztlichen Versorgung eingeführt. Somit wird den Gesetzlichen Krankenkassen durch die Niedergelassenen Ärzte seit 30 Jahren ein Dauerrabatt auf alle ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen erbracht.

Es drohen nach Einschätzung des KBV-Chefs weitere Sparmaßnahmen in der ambulanten Versorgung. Diese würden letztendlich auch die Patientinnen und Patienten in Form von Leistungskürzungen zu spüren bekommen.

Dass die ambulante Versorgung bröckelt, zeigen diese Zahlen: In Deutschland sind bereits schon jetzt mehr als 4 000 Hausarztsitze nicht besetzt, hinzu kämen mehr als 9 500 offene Stellen für Medizinische Fachangestellte.

Mangelnde Verlässlichkeit, verbunden mit einem „weit über der Inflation“ liegenden Betriebskostenanstieg in den vergangenen Jahren und der Weigerung der gesetzlichen Krankenversicherung und des Staates, die ambulante Versorgung zu stützen – all dies sei kontraproduktiv, um die Niederlassung in eigener Praxis als attraktives Zukunftsmodell für den Nachwuchs zu präsentieren. In den verschiedenen Bundesländern berichten die Kassenärztlichen Vereinigungen bereits von erheblichen Problemen bei der Nachbesetzung von frei werdenden Praxen.

U.a. die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) mahnt, dass sich die Arbeitsbedingungen sowohl im ambulanten als auch im stationären Versorgungsbereich dramatisch verschlechtert haben. Eine weitere Zuspitzung der Lage ist ohne sofortige Gegenmaßnahmen nicht zu verhindern.

Saphenion®: Ist die ambulante Medizin gefährdet?

Aus unserer persönlichen Sicht gibt es tatsächlich erhebliche Probleme bei der Neubesetzung von freigewordenen Arztsitzen, als auch Überlegungen, Kassenarztsitze aufzugeben und sich privat niederuzulassen. In vielen Gesprächen mit Kollegen und eigenen betreuenden Ärzten kommen erhebliche Ängste vor der Zukunft zum Ausdruck.

Die laufenden Betriebskosten sind nur eines der angesprochenen Themen, ein anderes, aus unserer Sicht ebenso wichtiges Problem scheint uns aber die völlige Überalterung des Bewertungsmaßstabes zu sein, Somit können dem Kassenpatienten im Rahmen der kassenärztlichen Honorarabrechnung allenfalls veraltete diagnostische und therapeutische Methoden angeboten werden.

Neue aktuelle Methoden, die teilweise schon Eingang in Internationalen und Deutschen Fachleitlinien gefunden haben, werden im GKV – Katalog (Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen) seit Jahren nicht aktualisiert oder gar nicht erfasst!

Graphiken: Deutsches Ärzteblatt

Fotos: Utzius

Literatur / Links

https://www.bundesaerztekammer.de/presse/aktuelles/detail/arbeitsbedingungen-im-gesundheitswesen-muessen-sich-verbessern

https://www.aerzteblatt.de/archiv/227800/KBV-Vertreterversammlung-Gesetzliche-Vorgaben-gefaehrden-ambulante-Versorgung

https://www.aerzteblatt.de/archiv/inhalt?heftid=6847

https://www.aerzteblatt.de

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/137809/BAeK-Praesident-Reinhardt-sorgt-sich-um-aerztliche-Unabhaengigkeit

https://institut-ba.de/ba.html