Die Häufigkeit von Venenerkrankungen

Häufigkeit von Venenerkrankungen

 

Chronische Venenkrankheiten wie die Varicosis, das postthrombotische Syndrom und die chronische venöse Insuffizienz gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in der westlichen Welt.

Auch in Deutschland zählen Venenerkrankungen der Beinvenen zu den häufigsten Krankheiten.

Als Folge davon kann es zunächst zu leichten Beschwerden an den Unterschenkeln kommen, diese werden zu  Schweregefühl, Schwellungsneigung und Schmerzen in den Beinen.

Als Endpunkt venöser Erkrankungen gelten  allgemein Hautveränderungen, Dermatosen und in letzter Konsequenz das „Offene Bein“.

Daneben bergen diese chronischen Veränderungen der Beinvenen aber auch schwerste Komplikationen mit eventuell tödlichem Ausgang. Dazu zählen zum Einen die sog. Venenentzündungen der Hautvenen als auch tiefe Venenthrombosen. Eine Venenthrombose in den Unterschenkelvenen ist bei schneller Diagnostik gut therapierbar, hier liegt das Embolierisiko zunächst bei unter 10%.

Steigt die Thrombose jedoch aufwärts in den Bereich der Knievene und höher, steigt das Lungenembolierisiko auf 60%!

 

Stadieneinteilung von chronisch venösen Erkrankungen und deren Häufigkeit.

 

gesamt

n (%)

Männer

n (%)

Frauen

n (%)

C0: keine Zeichen einer venösen Veränderung

5.594.571 (9,6)

3.910.661 (13,6)

1.889.403 (6,4)

C1: isolierte Teleangiektasien, retikuläre Venen

34.383.300 (59,0)

16.792.840 (58,4)

17.565.541 (59,5)

C2: Varikose

8.333.579 (14,3)

3.565.603 (12,4)

4.664.463 (15,8)

C3: eindrückbares prätibiales Ödem

7.809.088 (13,4)

3.335.564 (11,6)

4.398.766 (14,9)

C4: Hautveränderungen

1.690.027 (2,9)

891.401 (3,1)

797.092 (2,7)

C5: geheiltes venöses Unterschenkelgeschwür

349.661 (0,6)

172.529 (0,6)

177.132 (0,6)

C6: aktives Unterschenkelgeschwür

58.277 (0,1)

28.755 (0,1)

29.522 (0,1)

 

 

Höheres Alter: Schwere der Venenerkrankung zunehmend!

 

Bei den 18- bis 19-Jährigen haben 50% noch keinerlei sicht – oder tastbare Veränderungen an den Venen, weitere 50% haben Besenreiser oder retikuläre Venen. Schwerere Ausprägungen von Venen- erkrankungen treten in dieser Altersgruppe nicht auf.

Die Zahl der Personen, die Besenreiser haben, nimmt mit zunehmendem Alter ab. Im gleichen Maße steigt die Zahl der Personen, die an Krampfadern leiden.

Bei den 70 – bis 79 – Jährigen leiden rund ein Viertel unter Krampfadern und weitere 25,6 % unter einem Ödem, das ärztlich behandelt werden muss.

Bereits in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen treten venöse Unterschenkelgeschwüre in abgeheilter Form auf.  Die Zahl der hieran Erkrankten nimmt ebenfalls mit dem Alter zu.

 

Kompressionstherapie häufigste Behandlung

 

Die am häufigsten angewandte therapeutische Maßnahme ist die Kompressionstherapie mittels medizinischer Kompressionsstrümpfe. Über 17 % oder 8.508.410 aller Deutschen im Alter von 18 bis 79 Jahren haben bereits einmal Kompressionsstrümpfe verordnet bekommen.

An zweiter Stelle stehen radikalchirurgische Maßnahmen. Bei über 10% der Betroffenen werden das Stripping und die Venenexhairese durchgeführt. Lediglich 2% der Patienten erhalten eine minimalinvasive Therapien, z.B. eine Verödungstherapie und nur noch 1% der Patienten erhalten andere (minimalinvasive, endovenöse ) Therapien.

Frauen lassen sich – statistisch betrachtet – deutlich häufiger behandeln als Männer. Das gilt für alle therapeutischen Maßnahmen bei Venenerkrankungen.

Nach der Bonner Venenstudie von 2003 sind Ergebnisse einer Folgestudie (Prof. Raabe) erschienen: Venenerkrankungen zählen in Deutschland weiter zu den großen Volkskrankheiten. Fast ein Viertel der Bevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren hat Krampfadern und 17 Prozent leiden an fortgeschrittenen Venenkrankheiten, wie geschwollenen Beinen oder Hautveränderungen.

 

„Bonner Venenstudie“

 

Seit der Veröffentlichung der ersten Bonner Venenstudie in 2003 ist klar: Venenerkrankungen zählen in Deutschland zu den großen Volkskrankheiten. Nahezu ein Viertel aller Deutschen im Alter von 18 bis 79 Jahren hat Krampfadern und immerhin noch 17 % leiden an fortgeschrittenen Venenkrankheiten vom venösen Ödem über Hautveränderungen bis hin zum so genannten „offenen Bein“ (Ulcus cruris). Als Basisbehandlung bei allen Venenerkrankungen gilt dabei die Therapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen. Wie oft aber und bei welchen Indikationen werden diese Strümpfe mit dem genau festgelegten Druckverlauf verordnet? Und wie beurteilen die betroffenen Patienten diese Therapie? Eine Antwort auf diese Fragen liegt jetzt mit der Auswertung der ersten Ergebnisse der so genannten Bonner Venenstudie II vor.

Diese als Folgestudie zur ersten Bonner Venenstudie angelegte Untersuchung wurde erneut von dem Bonner Phlebologen Professor Eberhard Rabe durchgeführt. Knapp sieben Jahre nach der ersten Untersuchung wurden die Teilnehmer erneut einbestellt und nachuntersucht. Von den ursprünglich 3.072 Probanden der Bonner Venenstudie I nahmen immerhin noch 1.978 Personen an den Untersuchungen der Bonner Venenstudie II teil. Das sind knapp 85 Prozent. Das Team um Professor Rabe hatte dabei mehrere Fragestellungen im Blick. Unter anderem wollten sie wissen, wie es um die Behandlung von Venenerkrankungen bestellt ist. Ein Ergebnis:

Von allen Therapiemöglichkeiten werden medizinische Kompressionsstrümpfe am häufigsten verordnet. Immerhin 18 % derjenigen, die Krampfadern haben, erhielten Kompressionsstrümpfe. Bei Patienten mit einer chronischen venösen Insuffizienz lag die Verordnungsrate sogar bei 21 Prozent.  Und noch etwas stellten die Forscher fest: Die Compliance bei den Patienten ist überaus gut. 75 % der Patienten, die dauerhaft Kompressionsstrümpfe tragen müssen, tun dies regelmäßig. Vorausgesetzt sie erhalten überhaupt eine Verordnung. Als Gründe dafür gaben sie an, dass sich ihre Beschwerden beim Tragen der Kompressionsstrümpfe deutlich gebessert hatten.

Angesichts des demografischen Wandels ist mit einer weiteren Zunahme venöser Erkrankungen und insbesondere einer Stadienverschiebung hin zu schwererer Krampfadernausbildung zu rechnen.

 

 

Erfahrungen bei Saphenion

 

Im Zeitstrahl der 21 – jährigen Tätigkeit auf dem Gebiet der Venenerkrankungen haben wir folgende Erfahrungen machen können.

 

  1. Das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Patienten klafft bei Weitem nicht so weit auseinander, wie allgemein vermutet. 53% der bei uns minimalinvasiv endovenös therapierten Patienten sind Frauen, 47% sind Männer.

  2. Ca. 30% der von uns untersuchten Patienten haben bereits therapeutische Kompressionsstrümpfe über mehrere Jahre getragen. Es wurde symptomatisch eine Verbesserung erreicht, gleichwohl nahmen die Krampfadern zu. Insofern ist es fraglich, ob die alleinige Kompressionsstrumpftherapie wirklich als umfassende Therapie zu verstehen ist oder doch eher nur eine symptomatische Verbesserung erreicht wird.

  3. Schwerste C5 – C6  – Stadien der venösen Insuffizienz (Offenes Bein) haben im Zeitstrahl deutlich abgenommen. Sahen wir früher alle 4 Wochen einen Patienten mit einem Offenen Bein, ist die Zahl im Laufe der Jahre deutlich zurück gegangen. Heute sehen wir alle 4 – 6 Monate einen Ulkus – Patienten. Das liegt zum Einen sicher an der zunehmenden Sensibilität unserer Patienten für das Thema, zum Anderen aber auch an den heute wesentlich besseren und schnelleren – nicht invasiven – diagnostischen Verfahren, dem Duplex- Ultraschall. Diese Untersuchungen können regelmäßig und schnell durchgeführt werden und haben eine sehr hohe Sensitivität. Darauf folgend wird heute früher operativ therapiert.

  4. Auf der anderen Seite besuchen uns heute in der Praxis wesentlich mehr ältere  Patienten mit einer Indikation zu interventioneller Therapie. Gerade in der Gruppe der 65 – 80 – jährigen Patienten ist eine deutliche Zunahme an Patienten mit Therapiewunsch zu verzeichnen. Das liegt sicher an den neuen minimalinvasiven Therapietechniken mittels endovenösem Katheter. Diese machen eine Therapie auch im hohen Alter uneingeschränkt möglich. Zum Anderen fordert diese Tatsache aber gerade dazu auf, eben jene minimalinvasiven Techniken weiter zu entwickeln, und vermehrt – auch als Kassenleistung – an zu bieten. Denn neben den ganz jungen Patienten profitieren gerade ältere Patienten von schonenderen Therapieverfahren. Unter Berücksichtigung des demografischen Wandels ist es dann  aber geradezu zum Kopfschütteln, der radikalen Chirurgie bei Krampfadern das Wort zu reden und eine Renaissance der „Stripping – Op“ aus zu rufen. 

  5. In Deutschland werden nach den aktuellen statistischen Erhebungen immer noch ca. 65 – 70% aller Veneneingriffe radikalchirurgisch durchgeführt. Damit koppelt sich das Land von den Entwicklungen in anderen medizinisch hoch entwickelten Ländern ( USA, GB, Westeuropa, EU – Länder, Nordeuropa) komplett ab. In den USA werden inzwischen mehr als 90% aller Krampfadereingriffe minimalinvasiv endovenös durchgeführt.

 

Dazu hier noch ein Link zur historischen Betrachtung der verschiedenen Therapieverfahren.

http://www.saphenion.de/news/varizen-das-schicksal-der-vena-saphena-blicke-in-die-vergangenheit/

 

 

Rezidivvaricosis nach mehrfacher Stripping – OP

 

 

Links:

 

http://www.eurocom-info.de/fileadmin/user_upload/Dokumente_eurocom/pdf_Dokumente_eurocom/Informationsblatt_Venenerkrankungen.pdf

 

https://www.ostechnik.de/1472-erste-ergebnisse-der-bonner-venenstudie-ii-veroeffentlicht-unterversorung-in-der-kompressionstherapie

 

http://www.gbe-bund.de/pdf/Venenerkrankungen.pdf

 

https://www.springermedizin.de/epidemiologie-der-chronischen-venenerkrankungen/8023466

 

Augustin et al.: Epidemiologie, Versorgungsbedarf und Versorgungsvolumina peripherer Venenerkrankungen in Deutschland; Phlebologie 2018; 47; 242 – 251 

 

 

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