15 Jahre RFITT-Radiowellenkatheter:

15 Jahre RFITT-Radiowellenkatheter: Saphenion holt RFITT für Krampfadern und Bakerzyste nach Rostock

15 Jahre RFITT-Radiowellenkatheter: In der Varizentherapie – und seit 2008 auch bei der Therapie der Bakerzyste von Kniegelenken im Einsatz: Die in Deutschland von den Krankenkassen immer noch als einzige schulmedizinische Therapiemethode betrachtete radikalchirurgische Stripping-OP hat sich zwar in den letzten Jahren operationstechnisch und instrumentell verbessert, bleibt aber ungeachtet dessen immer eine radikale OP-Methode mit all ihren Nachteilen und Nebenwirkungen. Bereits seit 1907 – also über 110 Jahre – wird diese Methode eingesetzt.

Das neue Jahrhundert brachte jedoch eine rasante Entwicklung neuer, nicht radikaler OP-Methoden, wie den Laser, die Radiowelle, den Heissdampf und die Mikroschaumtherapie. Vorläufiger Abschluss ist die Einführung des Venenklebers 2011.

Wir begannen 2002 mit der kathetergestützen Krampfadertherapie, zunächst mit dem Linearlaser. Ab 2007 stellten wir dann unser Konzept auf die Radiowelletherapie um. Diese halten wir nach wie vor, neben dem Venenkleber „VenaSeal®“ im Programm. Beide Verfahren haben eine Verschlusseffektivität von > 95% in einem Zeitraum von 3 Jahren betrachtet.

Daneben behandeln wir die Seitenastvaricosis mit Mikroschaum.

15 Jahre RFITT-Radiowellenkatheter: Technischer Hintergrund und Einsatzgebiete

15 Jahre RFITT-Radiowellenkatheter:  Zunächt wurden seit 1999 monopolare Radiowellenkatheter in der Krampfadertherapie etabliert. Das RFITT-System wird daneben noch in der HNO-Heilkunde, in der Onkologie und Urologie eingesetzt. Ein weiteres Gebiet ist die Behandlung von Leber- und Lungenzysten. Bei SAPHENION®  wurde daneben die Therapie der Baker – Zyste am Kniegelenk entwickelt und wird erfolgreich eingesetzt. Wir haben bisher über 80 Zysten mit dem RFITT-System verschließen können.

Die Therapie der Stammvaricosis mittels eines bipolaren RFITT-Katheters kommt seit 2007 zur Anwendung. Die bipolare Anordnung der Elektroden des RFITT – Applikators erzeugt in der Vene einen Mikrowelleneffekt, die Venenwand wird als elektrischer Leiter zwischen beiden Polen verwendet.

Durch einen hochfrequenten Wechselstrom erhitzt sich die Venenwand zwischen den Polen auf ca. 70-85°C und verklebt die Venenwände thermisch. Gleichzeitig wird die Vene zum Schrumpfen gebracht. Dies führt idealerweise zu einem vollständigen Verschluss des Gefäßes.

Die Energie wird also nicht, wie beim Laser oder VNUS Closurefast-System, direkt als thermische Energie (Laser 700-1000°C, VNUS 120°C) vom Katheter erzeugt. Die Hitze wird direkt in der Venenwand erzeugt (Ohmsches Widerstandsgesetz). Der RFITT-Applikator selbst bleibt kalt. Es kommt somit zu einer direkten, nicht perforierenden zirkulären elektrothermischen Einwirkung auf die Gefäßinnenwand.

Unsere bevorzugte Indikation ist – wie bei den anderen Systemen auch – die Stammveneninsuffizienz der Vena saphena magna et parva.

15 Jahre RFITT-Radiowellenkatheter:  5-Jahres-Studie belegt Wirksamkeit

Wir führten eine eigene Verlaufsstudie durch. Eingeschlossen waren alle Patienten mit einer Magna – oder Parvavaricosis, die mit RFITT therapiert wurden.

Von 2007 – 2012 behandelten wir 1022 Stammvenen bei 722 Patienten mit diesem System. Bei den meisten Patienten (insbesondere bei simultaner Op beider Beine) bevorzugen wir die Larynxmaskennarkose, bei einseitiger OP ist die Tumeszenzanästhesie die bessere Wahl.

Nachuntersuchungen fanden am 1. Tag nach OP, nach 30 Tagen 90 Tagen und 6 Monaten sowie dann im Jahresrhythmus statt.

Nach dem Untersuchungszeitraum von 5 Jahren konnten 945 Stammvenen nachuntersucht werden, die Verschlussrate liegt bei 96,5%.

15 Jahre RFITT-Radiowellenkatheter: Nebenwirkungen und Komplikationen

Über 15 Jahre Einsatz geben uns einen recht großen Schatz an Erfahrungen mit auf den Weg. Wir sehen neben der hohen Effektivität dieses Verfahrens wie auch der anderen thermischen Methoden aber doch ein paar Nebenwirkungen.

Thermische Irritationen der Haut mit leichten Verbrennungen sind bei anatomisch direkt unter der Haut liegenden Stammvenen keine Seltenheit. Daneben ist aber vor allem die Wirkung der thermischen Energie und des fließenden Stroms auf die – im Gewebe dicht an der Vene verlaufenden – sensiblen und auch motorische Nerven zu nennen. Die Rate an post operativen neurologischen Auffälligkeiten (motorische Störungen, Taubheit, Missempfinden und Kribbeln/ Schmerz) ist doch recht hoch und liegt je nach Ausdehnung des Eingriffs zwischen 15-25%. Dies hat in letzter Zeit zu einem Umdenken dahingehend geführt, dass wir thermische Verfahren am Unterschenkel und in der Vena saphena parva nur noch in Ausnahmen einsetzen.

Saphenion® – Resumeè

15 Jahre RFITT-Radiokatheter: Dieses System hat, wie die anderen thermischen Verfahren auch – in den letzten Jahren seine Effektivität bei der Behandlung der Stammvaricosis nachgewiesen. Eine Verschlusseffektivität von über 95% lässt alle diese Verfahren zur Therapie der Wahl werden. Dies wurde von den europäischen Gefäßchirurgen seit 2015 entsprechend in Leitlinien gefasst und auch in den deutschen Leitlinien 2019 aktuell bestätigt.

Das radikalchirurgische Stripping – Verfahren ist demnach hinter der an zweiter Stelle genannten Mikroschaumtherapie, nur noch Therapie der 3. Wahl. Damit kann aber beim Stripping nicht mehr von einem schulmedizinischen Verfahren gesprochen werden. Entsprechende immer wieder zu lesenden gutachterliche Äußerungen sind zurück zu weisen.

Eine weitere sehr häufig nachgefragte Therapie mit dem RFITT-Katheter führen wir seit 2008 an Kniegelenkszysten (Bakerzysten) durch. Auch hierbei sind – unter der Vorausetzung eines sanierten Kniegelenkes – sehr nachhaltige Ergebnisse beim Verschluss der Zysten zu erzielen. Ursprünglich kommt der bipolare Radiowellenkatheter auch aus der Zysten-Therapie. Leberzysten, Lungenzysten, Kieferzysten usw. werden mit dieser Technologie behandelt.

Aktuell haben wir bei Saphenion begonnen, das RFITT – System auch im Rostocker Venenzentrum in beiden Indikationen einzuführen. 

 

Aber es ist immer auch zu beachten:

 

Alle thermischen Verfahren sind im Vergleich zum seit 5 Jahren auf dem Markt befindlichen VenaSeal-Verfahren – dem Venenkleben – doch  nebenwirkungsreicher.  Darauf sollte jeder Patient bei der Wahl der Therapie auch achten und sich entsprechend vom Facharzt darüber informieren lassen.

Photos: Sylvia Gippe Wagenknecht, Utzius

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