Kochsalzlösung zur Verödung – ein Fall für die Justiz?

Kochsalzlösung zur Verödung von Krampfadern

Kochsalzlösung zur Verödung von Krampfadern wird als sog. biologische Verödungstherapie auf hunderten von Google – Anzeigen beworben. Nun wird in Berlin in einem Gerichtsverfahren geklärt, ob der Einsatz von Kochsalzlösung zur Verödung eine Körperverletzung darstellt. Geklagt hat eine Patientin, die bei einer Heilpraktikerin eine Kochsalzlösung zur Verödung von Krampfadern bekommen hatte. Die Patientin war Diabetikerin und war mit insgesamt 300 ml Kochsalzlösung behandelt worden (zum Vergleich: Mikroschaumtherapie 10ml je Sitzung). Nach der Behandlung hatten sich zahlreiche Ulcera (offene Beine) entwickelt, diese mussten stationär behandelt werden.

Hier ein paar Beispiele für eine hochgradig intensive Vermarktung der Kochsalzlösung zur Verödung. Nach Aussagen der praktizierenden Heilpraktiker sind sowohl die hässlichen Besenreiser, als auch dicke Seitenast – und Stammvenen sehr erfolgreich mit Kochsalz behandelbar. Nach dem Motto – um so dicker die Vene – umso besser der Effekt – wird mit völlig unsachlichen und schlichtweg falschen Aussagen eine immense Werbung betrieben.

Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass die Kochsalzlösung zum Veröden von Krampfadern im Heilmittelkatalog für Ärzte gar nicht zugelassen ist. Heilpraktiker hingegen unterliegen nicht dem Heilmittelgesetz – hier gilt das Motto: Alles erlaubt, was gefällt.

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Sogar die Ärztezeitung beteiligt sich an dieser paramedizinischen Werbekampagne…

Zur Geschichte der Kochsalzverödung


Der eigentliche Ausgangspunkt der Verödungstherapie waren Beobachtungen während einer Syphilis – Epidemie vor dem 1. Weltkrieg. Sowohl der französische Dermatologe Jean Sicard als auch der Deutsche Paul Linser entdeckten bei der Behandlung von Syphiliskranken, dass die Armadern bei der Injektion von Salvarsan (Arsenlösung zur Behandlung der Syphilis) verschlossen wurden. Diese Beobachtung lies beide Ärzte über die Möglichkeit der Behandlung von Krampfadern an den Beinen nachdenken und führte dann zur eigentlichen Sklerotherapie der Beinvenen.

Zuerst injizierten beide Ärzte Sublimat, dann hypertonische Kochsalzlösung. Die Erfolge von Linser und Sicard sowie des Assistenten von Sicard, Raymond Tournay, brachten die chirurgischen Eingriffe in den Hintergrund. Auch zahlreiche Chirurgen versuchten sich an der Kochsalzverödung und verliessen die operative Behandlung. Die Methode von Moszkovicz verband beide Techniken – er kombinierte die operative Entfernung der Stammkrampfadern mit der Verödung durch unterschiedlichste Medikamente.

Paul Linser als einer der Erstbeschreiber der Kochsalzverödung verließ aber diese Methode 10 Jahre später (1921). Nach seinem Umzug nach Berlin führte er die Verödungen nur noch mit hochprozentiger Glukoselösung durch – die Kochsalzverödung war ihm zu ineffektiv und hatte sehr viele Nebenwirkungen. Er konnte sogar Ferdinand Sauerbruch für die Glukoseverödung begeistern – die Chirurgische Klinik der Charité führte ab 1929 keine radikale Stripping – OP mehr durch.

Kochsalzlösung für Ärzte nicht zugelassen

Die Kochsalzverödung ist in der ärztlichen Tätigkeit nicht zugelassen. Das einzige Verödungsmedikament mit einer Zulassung ist in Deutschland das Äthoxisklerol. Grosse Vergleichsstudien zur Behandlung von Besenreisern – es wurde zwischen Kochsalz, Äthoxisklerol – Flüssigverödung, Mikroschaumverödung und Laserverödung getestet – haben für die Kochsalzverödung im Vergleich sehr schlechte Verschlussergebnisse bei deutlich erhöhten Komplikationsraten ergeben. In den Leitlinien zur Verödungstherapie findet sich die Kochsalzverödung ebenfalls nicht mehr.

Wir haben in den letzten 22 Jahren recht viele Patienten nachbehandeln müssen, die zuvor bei einem Heilpraktiker mit Kochsalzverödung sich haben therapieren lassen. Unsere Frage nach der Motivation für die Wahl dieser Therapie ergab immer die gleiche Antwort: Die Kochsalzverödung sei rein biologisch und sie ist nicht so teuer.

Es ist also eine Nachfrage nach dieser – bereits vor 100 Jahren als wenig effektiv und sehr komplikationsträchtig bekannten Therapiemethode – vorhanden. Insofern muss sich jeder Patient hinterfragen, inwieweit er sich wirklich umfassend informiert hat und welche Motivation er hat, sich Krampfadern beim Heilpraktiker behandeln zu lassen und nicht beim Venenspezialisten.

Es ist aber auch die Gesundheitspolitik zu hinterfragen, inwieweit es überhaupt möglich ist, das Ärzten diese Methode quasi verboten ist, aber Heilpraktiker weiterhin damit arbeiten dürfen. Darin besteht der eigentliche Skandal – und dies hat nichts mit Verteilungskampf zu tun. Die schlechten Ergebnisse und die hohen Komplikationsraten der Kochsalzverödung sind hinreichend wissenschaftlich erwiesen und historisch eigentlich bereits aufgearbeitet. Auch die reine Kochsalzverödung ist bei Seitenast – und Stammkrampfadern nicht vergleichbar effektiv und hat – wie schon vom Erstbeschreiber Paul Linser 1921 mitgeteilt – erhebliche Nebenwirkungen. Auf Grund der erheblichen Komplikationsraten nach Kochsalzverödung war diese Methode schon Mitte der 20er Jahre kritisch hinterfragt und durch die Glucoseverklebung ersetzt worden.

Zu der von einigen Kollegen praktizierten Mixtur mit Eigenblutentnahme, Koagulation des entnommenen Blutes im warmen Wasserbad und Mischung mit Äthoxisklerol gefolgt von der Reinjektion in die erkrankten Krampfadern haben wir ebenfalls eine distanzierte Haltung. Dieses auch aus der Naturheilkunde bekannte Verfahren ist zunächst in der Wirksamkeit umstritten, dazu kommen erhebliche Nebenwirkungen, wie Schüttelfrost und Fieber nach der Therapie.

Literatur:

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/037-015l_S1_Sklerosierungsbehandlung_Varikose_2012-07-abgelaufen.pdf

https://www.tagesspiegel.de/berlin/hochaggressive-therapie-berliner-heilpraktikerin-wegen-koerperverletzung-vor-gericht/24227570.html

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213333X15000554

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/037-015.html

Kommentare

  1. Eine Liste aller VenaSeal anwendenden Ärzte in Deutschland wäre für vom HeilprakTiker verblendete PaTienten sicher hilfreich…
    Ich würde mich, falls notwendig, immer nur für VenaSeal entscheiden.

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