Saphenion®: 70 Monate Mikroschaumtherapie bei Stammkrampfadern

Saphenion®: 70 Monate Mikroschaumtherapie bei Stammkrampfadern – Grundlagen Sealing Foam

Saphenion®: 70 Monate Mikroschaumtherapie bei Stammkrampfadern: Die Verödungstherapie ist grundsätzlich auch an den Stammvenen der Arme, Beine und des Rumpfs erfolgreich durchführbar. Der besser geeignete Klebende Mikroschaum „SealFoam“ ist eine Modifikation des bekannten Verfahrens der Mikroschaumverödung von Seitenästen, Netz – und Besenreiservenen mittels Ethoxisklerol-Mikroschaum. Man erweitert die Verödungskomponente des altbekannten Verfahrens um einen Klebeeffekt. Dies wird mit der Zugabe von hochprozentiger steriler Glukose-Lösung erreicht.

Diese Therapie wurde bereits einmal in den 20er – 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Behandlung auch von Stammkrampfadern und Seitenastkrampfadern eingesetzt. Auch Ferdinand Sauerbruch ordnete für die Chirurgen der Charitè 1928 an, nicht mehr daß bereits seit 1907 bekannte radikalchirurgische „Stripping“ – Verfahren einzusetzen. Er führte die Therapie mittels Glukoselösung an der Berliner Charitè ein.

Mit dem Erfolg des seit 2011 in Europa zugelassenen und eingeführten Venenklebers lag die Idee nahe, auch den seit Mitte der 90er Jahre eingesetzten Mikroschaum weiter zu entwickeln. Veröden und Verkleben der Stammkrampfader simultan ist eine der möglichen Variationen. Diese Variation eignet sich auch sehr gut für die Therapie der Stammvaricosis.

Saphenion®: 70 Monate Mikroschaumtherapie bei StammkrampfadernPathophysiologische Betrachtung

Allerdings sind klare Definitionen für den Einsatz des klebenden Mikroschaums notwendig. Dies um so mehr, als daß aktuelle pathophysiologische Erkenntnisse zur Ursache der Krampfadern davon ausgehen, daß eine inkomplette Sanierung nur einzelner Venensegmente oder ausschließlich einzelner Venenklappen oder auch das sogenannte „stadienadaptierte“ Behandeln für die Therapie der Krampfadern doch nicht ausreichend ist. Pathologische Veränderungen auf Zellebene und Gewebestrukturen sowie chemischen Rezeptoren (Östrogenrezeptoren!) bedingen zunächst die Erweiterung von Hautvenen. Die mechanische Komponente Blutflußumkehr durch Venenklappendefekt ist dann eine Folge dieser zellulären – und Gewebeveränderungen.

Es liegt also auf der Hand, dass eben doch das gesamte Hautvenensystem in zeitlicher Abstufung betroffen ist. Nur die Ausprägung verläuft diskontinuierlich. Therapeutisch ändert dies aber den Blickwinkel – nicht mehr nur die duplexsonografisch defekte Vene, eher auch die Vene ab 3mm Durchmesser ist bereits als defekt und deshalb therapiepflichtig anzunehmen.

Saphenion®: 70 Monate Mikroschaumtherapie bei Stammkrampfadern – 17 Jahre Mikroschaum

Saphenion setzt die Mikroschaumtherapie seit 17 Jahren ein. Wir haben in unseren Venenpraxen einige Modifikationen der Injektionstechnik eingeführt und den Mikroschaum modifiziert. Die nunmehr neunjährige erfolgreiche Arbeit mit dem Venenkleber „VenaSeal®“ legte die Idee nahe, auch dem Mikroschaum zusätzlich eine klebende Wirkung zu geben.

Durch technischen Verbesserungen, z.B. die Modifikationen des Schaums durch Beigabe von hochprozentiger Glukoselösung und die permanente Nutzung des Ultraschalls, ist auch die Therapie von Seitenästen und partiell oder komplett defekten Stammkrampfadern (von 2,5 mm bis maximal 4,5 mm Durchmesser) heute möglich. In der Effektivität ist der Klebende Mikroschaum mit den anderen kathetergestützten Therapieformen (Laser, Radiowelle, Heißdampf, Venenkleber) vergleichbar geworden. Er wird nach der Ultraschalluntersuchung und Erheben des klinischen Befundes von uns auch in allen klinisch möglichen Fällen empfohlen.

Auch unter Kostenaspekten ist der Klebende Mikroschaum (SealFoam®) eine hervorragende Alternative, da wir nicht nur die kostenintensiveren thermischen Katheterverfahren oder den Venenkleber für die Behandlung defekter Stammvenen einsetzen müssen.

Saphenion®: 70 Monate Mikroschaumtherapie bei Stammkrampfadern: Unsere Ergebnisse

Nach 70 Monaten Therapie auch an den Stammkrampfadern von Bein, Arm und Rumpf zeigt der Klebende Mikroschaum „SealFoam“ im genannten Zeitraum und den genannten Indikationen eine vergleichbare Effektivität wie der endovenöse Laser oder das radikalchirurgische Stripping bei deutlich  geringeren Nebenwirkungen. Der Therapieablauf ist gewebeschonender und eine sofort mögliche Mobilisierung ist ohne Einschränkung möglich. Die für die radikale Chirurgie und die thermischen Verfahren bekannten Nebenwirkungen, wie z.B. neurologische Komplikationen und Verletzungen von Lymphbahnen, insbesondere am Unterschenkel, bleiben hier höchst selten. Dies hat auch die Fachgesellschaft für Venenheilkunde (DGP) in den aktuellen Leitlinien zur Krampfadertherapie dazu veranlasst, neben dem Venenkleber „VenaSeal®“ auch dem Mikroschaum bei der Therapie von Krampfadern am Unterschenkel eine Präferenz zu geben. Diese sogenannten nicht thermischen Therapieverfahren zeigen gerade am Unterschenkel deutlich weniger Nebenwirkungen!

Seit Dezember 2006 haben wir 18443 Mikroschaumtherapien durchgeführt. In den letzten 70 Monaten (12/2015 – 9/2021) wurden bei Saphenion in 6729 Fällen für die Therapie von Krampfadern Klebender Mikroschaum „SealFoam“ gewählt.

In 1069 Fällen wurde eine Stammvaricosis behandelt. Im Einzelnen betraf dies in 376 Fällen die V. saphena parva, in 281 Fällen die V. saphena magna und in 412 Fällen akzessorische Stammvenen. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 56 Jahre (15 – 93 Jahre).

Die Therapie einer inkompletten Stammvaricosis ist im Zeitraum von 70 Monaten zu 100 % erfolgreich. Die Vena saphena parva zeigt sich in 86,4% (325 Venen) verschlossen. Die Vena saphena magna war, über den gleichen Zeitraum betrachtet, in 88,3% verschlossen (248 Venen). Die akzessorischen Stammvenen waren – nach Unterbrechnung des Zuflusses aus der Leiste oder der Stammkrampfader – in 96,1% verschlossen (396 Venen).

Dies entspricht einer Gesamtverschlussrate von 90,2% für alle therapierten Venen.

Saphenion®: 70 Monate Mikroschaumtherapie an Stammkrampfadern: Unsere Erfahrungen

Mit der Modifikation der Mikroschaumtherapie zum Klebenden Mikroschaum (Sealing Foam) sehen wir eine wesentlich verbesserte Verschlusseffektivität. Auch die häßlichen post therapeutischen braunen Striche und Flecken – sog. Hyperpigmentationen – sehen wir wesentlich seltener. Einblutungen unter die Haut an den Punktionsstellen sind in (< 8%) aufgetreten. Venenentzündungen haben wir in 25 Fällen (2,34%) gesehen und entsprechend nachbehandelt.

Hierbei sind ganz aktuell 2 gegensätzliche Fakten beachtenswert: Zum Einen sehen wir Venenentzündungen zur Zeit wesentlich häufiger bei therapierten Patienten, die zuvor eine Covid-Impfungen erhalten hatten. Zum Anderen tritt eine Venenentzündung nach der Mikroschaumtherapie deutlich seltener auf, wenn der Patient begleitend zur Mikroschaumverödung eine Kompressionsmassage der Beine und eine begleitende Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie erhält.

Eine partielle tiefe Venenthrombose von Unterschenkelvenen nach der Mikroschaumtherapie mit Klebendem Schaum sahen wir insgesamt in nur 4 Fällen (0,38%). Dies hat uns trotzdem veranlasst, bei allen Mikroschaum – Therapien im Stammvenensystem eine einmalige Thromboseprophylaxe intra op durchzuführen.

In lediglich 7 Fällen (0,6%) mußten wir offene Stellen (Punktionsulcera) nachbehandeln. Bei einer Paientin aus dieser Gruppe sahen wir mehrere Punktionsgeschwüre, allerdings wurde die Nachbehandlung nicht durch uns durchgeführt. Hier wurde auswärtig mit Salben und Sprays experimentiert, so daß die Ursachen für die Geschwüre nicht fest zu stellen und der Heilungsverlauf deutlich verlängert war.

In keinem Fall wurde von unseren Patienten über Sensibilitätsstörungen oder Taubheitsgefühl nach der Behandlung berichtet.

Im Wesentlichen berichteten unsere Patienten neben den sichtbaren kleinen Punktionshämatomen in erster Linie von Stranggefühl und Druckschmerz über der behandelten Vene. Auch muskelkaterähnliche Erscheinungen traten auf (dies ähnelt den Symptomen nach dem VenaSeal® – Venenkleben). Andere Nebenwirkungen (Allergie) oder Komplikationen (Embolie) traten nicht auf.

Somit ist die Therapie Klebender Mikroschaum „SealFoam“ eine sehr wirkungsvolle, effektive und preisgünstige Alternative und Ergänzung zu den häufig bei der Stammvaricosis eingesetzten thermischen Katheterverfahren Laser, Radiowelle, Heißdampf oder dem nicht thermischen Venenkleber oder dem Clarivein-Katheter. So wird die Mikroschaumtherapie auch für den Einsatz beim kosmetisch anspruchsvollen und bei älteren Patienten interessant.

Unter Berücksichtigung der aktuellen Erkenntnisse zu den Ursachen von Krampfadern (Zellwandumbau und- zerstörung, Bindegewebsveränderungen, Hormonrezeptorenüberschuss) bietet sich der Klebende Mikroschaum „SealFoam“ auch als eine herausragende ursachenadaptierte Alternativtherapie zur Erweiterung eines schonenden minimalinvasiven Therapiespektrums bei Krampfadern an.

Fotos: Utzius

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Therapie der Varikosis mit einem neuen „Mikroschaumkleber“

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