Saphenion Protokoll: Kompression bei kranken Venen?

Saphenion Protokoll: Kompression – Dr. Ulf Th.Zierau, PD Dr. W.Lahl

Saphenion Protokoll: Kompression bei kranken Venen

Das Saphenion Protokoll: Kompression bei kranken Venen stellt sich erster Linie auf Subjektive Beinbeschwerdenab. Stauung und Schweregefühl, Schwellneigung und Druck am Knöchel sind untrügliche Zeichen einer möglichen Venenerkrankung. Diese wird allgemein als Chronisch – venöse Insuffizienz bezeichnet oder beschrieben. Unter dem Begriff der Chronisch  – venösen Insuffizienz werden somit Störungen des venösen – und daran auch funktionell gekoppelt – des lymphatischen Rückstroms, zusammengefasst.

Pathologische Faktoren der Chronisch lympho – venösen Insuffizienz (CVI)

1. Mechanische Behinderung des venösen Rückstroms (Venenverschluss, Zustand nach Thrombose

2. Defekte Venenklappen des tiefen Venensystems (Leitveneninsuffizienz)

3. Defekte Venenklappen von Verbindungsvenen zwischen Haut – und tiefem Venensystem

4. Defekte Venenklappen des Hautvenensystems (subfaszial / epifaszial)

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen venösem und lymphatischem Abtransport aus den Beinen, so das Venensystem,  lymphatisches System und der extrazelluläre Raum im Gesamtbild des sog. Niederdrucksystems eine funktionelle Einheit bilden. Etwa ein Drittel des gesamten Filtrationsvolumens wird durch die Lymphgefäße reguliert. Kommt es zu einer Störung der als Sicherheitsventile wirkende Verbindungsvenen (im Rahmen der Krampfaderbildung), entwickelt sich zunächst ein venöses Ödem gefolgt von einem Lymphödem.

Saphenion Protokoll: Kompression – Die Pathologie der Krampfadern – defekte Venenklappen führen zur Stromumkehr des Blutes in den Venen. Der Kompressionsstrumpf hat eine symptomatisch positive Wirkung auf den Blutrückfluss – die Krampfadern werden jedoch nicht therapiert!

Äußere Faktoren beeinflussen veno – lymphatischen Rückfluss

Orthopädische Erkrankungen (Spreiz – / Senkfuss, Sprunggelenk -arthrosen etc) können ebenso eine Ursache der Störung des Rückflusses sein, wie auch angeborenen Venenwandschwächen.  Die sich daraus entwickelnden Krampfadern führen über gleiche Mechanismen zu irreversiblen Schädigungen des gesamten peripheren Niederdrucksystems. Es entwickelt sich ein venöser Rückstau mit permanent erhöhtem Kapillardruck von ca. 100 – 110 mmHg. Dieser permanent erhöhte Kapillardruck stört somit die gesamte lokale Mikrozirkulation. Daraus entsteht das Venenödem, gefolgt vom Lymphödem mit Störungen in der Transportkapazität beider Systeme. Die primär chronisch venöse Stauung entwickelt sich zur chronisch venösen Insuffizienz und später lympho – venösen Insuffizienz. Die Folgen sind schwere Schädigungen der Haut, Verlangsamung der Blutströmung, Verletzungen der Veneninnenwände und erhöhter Gerinnbarkeit des Blutes mit dem Risiko einer Thrombose der tiefen Venen. Daneben sind die o.g. Symptome Schweregefühl, Schwellneigung, Unruhe in den Beinen und Ruhekrämpfe für den Berufstätigen außerordentlich belastend. Somit ergibt sich eine Notwendigkeit zur symptomatischen und prophylaktischen Therapie.

Kompression – ist hoher Kompressionsdruck immer besser?

In den letzten Jahren hat sich in Fachkreisen ein spürbarer Wandel bei der Indikation zur Kompressionstherapie vollzogen, Galt noch vor 5 Jahren das Prinzip, bei jeder Krampfader gleich Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 und beim Lymphödem Klasse 3 zu verordnen, so gilt heute eher das Gegenteil. Wir gehen weg von den unpraktischen, schwer zu tragenden, einschränkenden, schlecht sitzenden und festen Kompressionsstrümpfen hin zu leichteren Formen der Kompression. Dies gilt sowohl bei alleiniger Kompression, als auch bei Kompression nach therapeutischen Eingriffen am Venensystem.

Kompression Kl. 1-2 bei leichter CVI, nach Mikroschaum – und endovenöser Therapie der Krampfadern.

Wir haben vor 3 Jahren begonnen, unser Verordnungsregime dahingehend zu verändern, dass Patienten mit leichter CVI und nach endovenösen Eingriffen mittels Mikroschaum oder Venenkleber mit dem besser tragbaren und subjektiv als wesentlich angenehmer empfundenen Kompressionsstrumpf der Klasse 1 nach zu behandeln. Natürlich hängt dieses „down grading“ immer vom individuellen klinischen Befund der CVI und der Varicosis ab, jedoch haben wir ein positives feed back bekommen. Bei gleich guten postop Verläufen berichten die Patienten sehr viel positiver, klagen nicht mehr über Druckschmerz und Problemen beim Tragen der strafferen Strümpfe, Auch sind die Schwierigkeiten des älteren Patienten beim Anziehen der Strümpfe nicht mehr evident. Bei Lymph – und Lipödemen präferieren wir inzwischen die Kompressionsklasse 2 und verordnen dazu zusätzlich regelmäßige Lymphmassagen oder führen sie selbst durch.

Kompression als Prophylaxe bei sitzenden / stehenden Berufen

Das Saphenion Protokoll: Kompression sieht in erster Linie eine prophylaktische Wirkung Kompressionstherapie. Alle Patienten mit sitzenden oder stehenden Berufen, oder auch mit ausgeprägter Reiseaktivität via Flugzeug erhalten von uns Kompressionsstrümpfe zwischen 17-20 mm Hg. Diese werden von verschiedenen Herstellern als sog. Reisestrümpfe auch bereits angeboten. 

Wir stellen hier seit zwei Jahren in unseren beiden Venenzentren ein deutlich steigendes Interesse fest. Die Patienten sind außerordentlich zufrieden mit dieser neuen Art der Kompressionsstrumpftherapie und beschreiben die positiven Effekte in beeindruckender Weise.

Aber auch im Sport spielen diese leichteren Kompressionsstrümpfe inzwischen einen große Rolle. In allen Laufsportarten und im Teamsport (Fußball, Handball, American Football usw.) tragen viele Athleten inzwischen bei der Anreise und auch während der Spiele sog. Sportkompressionsstrümpfe. 

Wir haben dazu hervorragende Erfahrungen mit dem Football Team der Rostock Griffins machen können. Sowohl die Leistungsbereitschaft, als auch die Trainingsintensität konnten gesteigert werden. Darüber hinaus kam es im Zeitraum unsere Studien zu deutlich weniger Verletzungen des Muskel – / Bandapparates der Beine!

Marylin M. , Fabergé Moscow




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