Akute Beinvenenthrombose – Mobilisierung und Kompression!

 

 

Die akute Beinvenenthrombose wurde lange stationär mit strenger Bettruhe über 7-14 Tage, intravenöser Heparinisiserung  und ggf. der Anlage eines Zinkleimverbandes therapiert.

Erst nachdem die Therapie mit  ambulant applizierbaren niedermolekularen Heparinen (NMH) sich durchzusetzen begann, ergaben sich auch für die Therapie der akuten Beinvenenthrombose neue Optionen.

 

Von der Rettungsstelle direkt auf die Intensivstation 

In den ersten Jahren unserer ambulanten Tätigkeit erlebten wir in vielen Fällen Patienten, die nach Vorstellung in der Rettungsstellen von Krankenhäusern umgehend stationär aufgenommen wurden und strenge Bettruhe wahren mussten. Diese Praxis hat sich bis weit nach 2010 immer wieder gezeigt. Auch heute erleben wir in Einzelfällen bei Privatversicherten dieses Vorgehen.  Für die ambulant tätigen Gefäßchirurgen und Phlebologen stand aber bereits Ende der 90er Jahre fest, dass unter einer Medikation mit niedermolekularen Heparinen bei gleichzeitiger Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen der Klasse 2 eine uneingeschränkte Mobilisierung eher zielführend war.

Mobilisierung und Kompression mit schnellen Therapieerfolgen – zwingend ist ambulante Heparinisierung!

Es gibt einige wenige Studien zum Vergleich Bettruhe zu Kompression / Mobilisierung (Partsch,  Blättler). In all diesen Studien zeigte sich in der Gruppe der Patienten mit der Therapiestrategie Mobilisierung / Kompressionsstrumpf Kl. 2 ein deutlich schnellerer Rückgang des Thromboseödems, der Schwellung des Beines und  Rückgang des Thromboseschmerzes.

Auch zeigte sich in den Ultraschallkontrollen der thrombosierten Gefäße eine schnellere Rekanalisation der verschlossenen Gefäße!

Akute Venenentzündung mit gleicher Therapieempfehlung

Auch bei den akuten Venenthrombosen des oberflächlichen und -Hautvenensystems (Thrombophlebitis) ist neben der ambulanten Heparinsierung für 7-14 Tage eine Kompression, ggf.kombiniert mit Alkoholverbänden, sehr hilfreich und bringt  eine sehr schnelle Abheilung der akuten Beschwerden. Zwar gibt es zu diesem Thema erst eine einzige wissenschaftliche Studie ( Boehler et al.) – jedoch entsprechen alle Studienergebnisse unseren klinischen Erfahrungen in der täglichen fachärztlichen Praxis.

Wir führen die o. g. ambulanten Therapiestrategien bereits auch seit Ende der 90er Jahre durch und können die Studienergebnisse der Kollegen Bartsch und Blättler aus der rein praktischen Erfahrung nur bestätigen.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, das der Autor selbst durch eine Venenentzündung am Unterschenkel eine Thrombose der Knievene mit anschließender Lungenembolie erlebt hat – und nach dem ambulanten Therapieschema sehr schnell zur Arbeitsfähigkeit und auch zu sportlicher Betätigung zurück fand.

 

 

Links:

https://www.saphenion.de/news/krampfadern-im-leistungssport-venentherapie-und-kompressionsstrumpf-verbessert-leistung-und-verkuerzt-therapie-verkuerzt-trainingspause-deutlich-relaunch/

https://www.saphenion.de/news/die-reisethrombose-empfehlungen-zur-effektiven-prophylaxe/

Partsch, H.: Evidenzbasierte Indikationen für Kompression bei akuten Venenerkrankungen; vasomed 1/2017, S. 14 – 15

Boehler,K. et al.: Therapeutic effect of compression stockings versus no compression on isolated superficial vein thrombosis of the legs: a randomized clinical trial;  Eur. J. Vasc Endovasc. Surgery 2014; 48, 465 – 471.

 

 

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