Intermittierende Kompressionsmassage nach Krampfadertherapie

Einleitung:

Intermittierende Kompressionsmassage nach Krampfadertherapie?

Eine intermittierende Kompressionsmassage nach Krampfadertherapie ist noch nicht Standard. Teilweise wird sie nach radikalchirurgischen oder auch thermischen  Op – Techniken immer mal wieder angewandt

Nach unseren Erfahrungen aus 32 Jahren eigener radikalchirurgischer Tätigkeit im Rahmen der Gefäßchirurgie und nach 19 Jahren Arbeit mit thermischen Ablationsverfahren (Laser, Radiowelle) wird diese unmittelbar post operative Massage vom Patienten schmerzbedingt nicht toleriert.

Andere Erfahrungen machen wir nach nonthermalen, non tumeszenten Verfahren, wie dem Venenkleber oder dem Sealing Foam – Verfahren. Hier ist eine sehr gute Toleranz der post operativen Kompressionsmassage zu erleben. 

Zunächst wollen wir mit unserer fachlichen Mitteilung erste Eindrücke und Erfahrungen mit dieser neuen post operativen adjvanten Therapie der CVI darstellen. Zum Zwecke einer subjektiven und objektiven wissenschaftlichen Analyse haben wir eine prospektive randomisierte Studie zu diesem Thema begonnen. Diese inkludiert zur Zeit 50 Patienten.

Pathophysiologische Betrachtungen

Eine Entzündungsreaktion ist die komplexe Antwort des Gefäß – und  Bindegewebes auf Zellschädigung oder Zerstörung mit dem Ziel, die Reizursache zu beseitigen sowie die entstandenen Defekte zu reparieren. Die allgemeinen Behandlungsziele der Kompressionsmassage sind die Reduktion der Gewebespannung durch Entödematisierung, der beschleunigte Abtransport von Zelltrümmern und Entzündungsmediatoren, die Reduktion postoperativer Schmerzen, sowie die Dämpfung einer überschießenden Entzündungsreaktion. 

In der Frühphase nach operativen Eingriffen hat sich der Einsatz der Manuellen Lymphdrainage (ML) oder besser noch  die 12 – Kammer – Massagetherapie bewährt. 

Durch diese Massage – Techniken fördert man die Regeneration von Lymphkollektoren im verletzten Gebiet. 

Die Gewebevernarbungen fühlen sich dann weicher an, sind somit belastbarer, es kommt seltener zu sekundären Einschränkungen der Beweglichkeit. Das postoperative Stranggefühl und muskelkaterähnliche Erscheinungen werden deutlich weniger vom Patienten genannt.

Patient mit frühkindlich – hypoxischem Hirnschaden – Narkose war nicht möglich. Somit hat die Krankenkasse einem VenaSeal – Eingriff simultan an beiden Beinen zugestimmt – Das Foto zeigt den Patienten nach dem Eingriff bei der intermittierenden Kompressionstherapie.

Ergebnisse

Massagen unmittelbar nach VenaSeal – Verklebung oder Sealing Foam sind bei Saphenion am Standort Rostock inzwischen Standart in der Nachbehandlung. Wir haben vor 10 Monaten das neue Therapiekonzept bei uns eingeführt und begonnen, bei allen Patienten unmittelbar nach einer Krampfadertherapie mittels Venenkleber oder auch nach einer Mikroschaumtherapie mit Sealing Foam (klebender Mikroschaum) eine Kompressionsmassage der therapierten Beine durchzuführen. 

Unsere Erfahrungen mit der Kompressionstherapie nach dem Kleben von Krampfadern sind deshalb auch konsequent positiv.

Wir haben das neue unterstützende Therapiekonzept vor 10 Monaten in Rostock erstmals eingeführt. Bisher sind 120 Patienten nach Venenverklebung einer Stammvaricosis und 248 Patienten nach einer Mikroschaumtherapie über den gesamten Therapiezeitraum mittels intermitierender Kompressionstherapie nachbehandelt worden. Vom Erfolg der Therapie waren wir selbst sehr überrascht. Bei allen 120 VenaSeal – Patienten zeigten sich deutlich weniger Verhärtungen entlang der behandelten Vene, das Stranggefühl wurde nicht wirklich wahrgenommen oder war nach der Behandlung deutlich weniger prominent zu spüren. Über Schmerzen wurden gar nicht berichtet. Das eigentliche Ziel, die Reduzierung des post operativen Ödems, war sehr eindrucksvoll. Keiner der Patienten berichtete von Schwellung oder Schweregefühl – ganz im Gegenteil wurde bereits am ersten post operativen Tag von deutlich leichteren Beinen mit wesentlich verringerten Schwellungen am Unterschenkel berichtet. Die Mikroschaumtherapie Patienten empfanden die Massage nach der Behandlung ebenfalls als sehr angenehm. Hier konnten deutlich geringere post therapeutische Verhärtungen nach Behandlung von Seitenastkrampfadern festgestellt werden. Eine Neuentstehung von Besenreisern nach der intermittierenden Kompressionstherapie sahen wir bisher nicht. Zum Einsatz der Massage nach Tumeszenzanästhesie bei Laser und Radiowelle haben wir keine aktuellen Erfahrungen – wir haben in diesen Fällen von einer Massagetherapie abgesehen. Radikale chirurgische Therapieverfahren werden in der Rostocker Praxis nicht mehr angeboten.

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Veröffentlichung im amerikanischen Fachjournal „surgical research“

Diskussion

Es sei zunächst kurz aus den in Deutschland geltenden Leitlinien zur Kompressionstherapie zitiert:

Die intermittierende pneumatische Kompressionstherapie besteht in der prophylaktischen und therapeutischen Anwendung von pneumatischen Wechseldrücken zur Thromboembolieprophylaxe, Entstauungstherapie bei Ödemerkrankungen, Verbesserung der arterielle und venösen Durchblutung mit Reduktion der klinischen Symptome sowie zur Förderung der Wundheilung… 

Nach diesen Leitlinien ist eine intermittierende Kompressions-therapie unmittelbar nach operativer Sanierung von Stamm – und Seitenastkrampfadern nicht inkludiert.Nach ausgedehnten Weichteildefekten, z.B. nach radikaler Krampfader – Op ( Stripping) oder auch nach ausgedehnten thermischen Reizungen des Unterhautgewebes infolge einer Laser – oder Radiowellenablation ist diese Therapie im Sinne der Wundheilung und auch zur Vermeidung post operativer Schmerzzustände eher kontraindiziert! Anders verhält es sich mit den non tumeszenten, non thermalen, non radikalen Therapieformen. In diesen Fällen zeigen sich hervorragende post operative Heilungseffekte. Auch die objektiven Heilungskriterien, wie fehlendes Stranggefühl, deutlich reduzierte endovenöse Thrombenbildung und post operative Hämatome und Ödeme werden außerordentlich positiv beeinflusst. Über die Ergebnisse der bei uns laufenden prospektiven Single Center – Studie und die daraus abzuleitenden subjektiven und objektiven Ergebnisse wird berichtet werden

Referenzen:

II1. Földi E: Das postoperative Lymphödem: Das klinische Problem: Diagnostik und aktuelle Behandlungskonzepte; Phlebologie 3 / 2011

2. Kappa Markovi R: Prospektive randomisierte Studie zur Evaluation der intermittierend pneumatischen Kompression nach Varizenoperationen; Vortrag auf der 59.Jahrestagung der DGP, Stuttgart 2017.

3. Reich – Schupke S et Schwahn – Schreiber C:  Auszug aus der S1 – Leitlinie Intermittierende pneumatische Kompression; Phlebologie 5 / 2018; S. 272 – 275

4. Földi.E.: Das postoperative Lymphödem: Das klinische Problem: Diagnostik und aktuelle Behandlungskonzepte; Phlebologie 3 / 2011

5. Kappa Markovi, R.: Prospektive randomisierte Studie zur Evaluation der intermittierend pneumatischen Kompression nach Varizenoperationen; Vortrag auf der 59.Jahrestagung der DGP, Stuttgart 2017.

6.  Zierau UT: http://www.saphenion.de/news/kompressionsmassage-nach-krampfadertherapie-massage-after-varicose-vein-therapy/

 

 

 

 

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