Krampfadern und Thrombose – häufige Komplikation

 

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Krampfadern und Thrombose gehören in eine enge Kausalkette. Das Risiko von Krampfaderpatienten, eine oberflächliche oder tiefe Venenthrombose zu erleiden steigt expotentiell um den Faktor 2-4. Bei Frauen mit antikonzeptiver Hormontherapie steigt das Risiko um den Faktor 8.

Pathologische Venenfunktion oder Venenverletzung als Thrombosefaktor

Während bei Venengesunden die Thrombosegefahr eng an biochemische pathologische Veränderungen des Gerinnungssystems gekoppelt ist, reichen beim Venenkranken die bestehenden funktionellen Veränderungen oder auch einfache Venenverletzungen aus, eine oberflächliche Venenthrombose und nachfolgend eine tiefe Venenthrombose zu entwickeln.

In der Folge kann es dann zu der – lebensbedrohlichen – Komplikation einer Lungenembolie kommen. Dies hängt ganz wesentlich von der Lokalisation der Thrombose ab. Eine Begrenzung auf die Untersschenkelvenen ist eher mit einem geringen Risiko behaftet, dieses steigt aber bei Beteiligung der Knievene um 60% an. Dies bedeutet aber in jedem Fall, das oberflächliche Venenentzündungen der hinteren Stammvene (Vena saphena parva – Parvavaricosis), die in die Knievene einmündet, in einem sehr grossen Prozentsatz zu Thrombose und Lungenembolie führen können.

Krampfadern haben ein hohes Thromboserisiko

Thrombosen sind viel häufiger, als allgemein hin angenommen.  Viele Beinvenenthrombosen und Venenentzündungen (Thrombosen der Hautvenen) werden falsch diagnostiziert oder nicht effektiv behandelt. Über 250 000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr  infolge einer TVT (tiefen Beinvenenthrombose),   jeder zehnte Todesfall in der EU entsteht durch eine TVT. Eine Lungenembolie hat bei 25000 – 30 000 Betroffenen jährlich einen letalen Ausgang.

Dieses enorme – teilweise auch unterschätzte – Risiko muss bei der Diagnose „Stammvenenvaricosis“ unbedingt berücksichtigt werden. Es geht also nicht nur um eine funktionelle und kosmetische Verbesserung des Venenbefundes am Bein, es geht unbedingt auch um eine Thromboseprophylaxe. Darauf sollten alle Patienten, die sich beim Venenspezialisten vorstellen und die Diagnose „Stammkrampfader“ empfangen, aufmerksam hingewiesen werden.

Kompressionstherapie nicht ausreichend!

Als Gefäßchirurg betrachtet man die gelegentlich veröffentlichten Statements zur Thrombosetherapie: „Kompressionstherapie ist Therapie der 1. Wahl“ mit grosser Skepsis. Unstrittig ist eine begleitende Kompressionstherapie der Klasse 2 mit Druckwerken von 25-28 mm hg eine notwendige adjuvante Therapie. Diese verbessert den Ausfluss des venösen Blutes aus dem Bein und damit verbunden ist auch eine deutliche Erholung des subjektiven Befindens. Jedoch ist diese bei weitem nicht ausreichend! Eine eingehende Ursachenanalyse ist dringlich.  Neben der Diagnostik des Gerinnungssystems ist eine eingehende Untersuchung des Bein – und Becken/Bauchvenensystems notwendig.

Daran hat sich ggf. eine medikamentöse (Heparine, Lyse) und auch interventionelle Therapie (Laser Radiowelle, Venenklebung) der Stammvaricosis anzuschliessen.  Eventuell sollte auch kathetergestützt eine Gefäßprothese (Stent) in die Becken-/ Bauchvene eingesetzt werden.

Kompressionstherapie mit Bettruhe sind out!

Abwartendes Handeln und Bettruhe sind heute nicht mehr zeitgemäß! Aktives Agieren schützt eher vor der gefürchteten Lungenembolie und frühzeitige aktive Therapie verringert postthrombotische Veränderungen an den Beinvenen.

Deshalb sind wir in unserer Strategie der Behandlung von Thrombosen eher aktiv – nach Rekanalisation der verschlossenen tiefen Vene  ist aktiv eine Normalisierung der Stammvenenfunktion anzustreben. Durch die vorhandenen Katheterverfahren (Venenkleber, Laser, Radiowelle) ist dies heute schonend zu praktizieren. Wir favorisieren dabei das venaSealsystem, da es bei sehr guter Effektivität vergleichsweise die geringsten Nebenwirkungen zeigt.

 

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links:

http://eurocom-info.de/welt-thrombose-tag-2015-mit-kompressionstherapie-gegen-thrombose/

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16485211,

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19935595

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23822944

Vortrag: „Akutbehandlung und Sekundärprophylaxe venöser Thromboembolien – eine Standortanalyse mit Fachärzten zur     aktuellen Diagnostik oder Therapie“  – Berlin, 19. 04. 2016

Thrombose / Venen / Venenbehandlung

VenaSeal bei Aneurysma oder Venenentzündung

 

 

 

 

 

 

Kommentare

  1. Guten Tag!
    Ich finde es sehr gut, dass es diese Seite zum Thema Thrombose gibt, da viele Menschen in Deutschland teilweise unglaublich desinformiert sind, was diese Gefährdung angeht! Also Dankeschön für die vielen nützlichen Informationen, was man für Maßnahmen dagegen ergreifen kann! Dabei kann man ja durchaus auch genug falsch machen.
    Außerdem entsteht eine Thrombose ja sehr sehr schnell, wie ja auch bereits geannt, auf längeren Reisen, wie z.B im Flugzeug oder Auto. Mangelnde Bewegung ist nicht nur in diesem Fall ein Problem. Generell ist das auch eine Frage der Veranlagung, es gibt mittlerweile Studien, nach deren Ergebnissen viele Frauen, die die Pille nehmen und zusätzlich noch Raucherinnen sind, Thrombose gefährdet sind…

    Und oftmals unterschätzen gerade jüngere Menschen das Risiko eine Thrombose zu kriegen. Sogar Ärzte scheitern manchmal an dieser Diagnose, wenn es um diese Altersgruppe geht. Bildgebende Diagnostik kommt zur Abklärung dieser Diagnose leider häufig zu kurz, weil kaum ein Arzt bei einem 20 Jährigen an Thrombose denken würde… Also ich finde man sollte sich wenn man mal wieder beim Arzt ist genauer darüber informieren und abklären, ob man selbst vielleicht in dieser Hinsicht prädestiniert ist.

    Ansonsten kann man auch Beratungsstellen anrufen, die meist kostenlos sind, wie z.B die Unabhängige Patientenberatung Deutschland, die anlässlich des Welt-Thrombose-Tages vom 13.Okt. eine Infoseite eingerichtet hat (). Sich zu informieren kann auf jeden Fall nicht schaden und helfen einer Thrombose und möglichen Embolien vorzubeugen. Ich werde vor meiner nächsten längeren Flugreise jedenfalls erst einmal Rücksprache mit meinem Arzt halten oder bei Patientenberatung durchklingeln, welche Maßnahmen in speziellen Situationen empfehlen werden…

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