SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto-/ Motorradfahrt

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto-/ Motorradfahrt

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto-/ Motorradfahrt – Die venöse Thromboembolie (Beinvenenthrombose und Lungenembolie) ist therapeutisch ein grosses Problem des Gesundheitswesens. Man geht von 200 Fällen je 100000 Personen aus (0,2% der Gesamtbevölkerung), die möglichen Komplikationen sind schwer (Thrombose der Bein/Beckenvenen mit Folge eines postthrombotischen Syndroms) oder lebensbedrohlich (Lungenembolie mit Todesfolge). Somit entspricht die Häufigkeit des Auftretens der der weltweiten Covid-19-Pandemie!

Eben diese Covid-19-Pandemie wird in den kommenden Monaten und vielleicht auch Jahren das Reiseverhalten der Menschen nachhaltig verändern. Es werden – auch nach Einschätzungen großer Fluggesellschaften – deutlich weniger Touristen fliegen. Die Fahrt mit dem eigenen Auto / Motorrad oder Bus wird häufiger werden.

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto-/ Motorradfahrt – die Reisethrombose auch auf der Strasse

Saphenion hatte in einer älteren News über die Reisethrombose allgemein bereits umfassend berichtet und die Ursache, Wirkung und Prophylaxe / Therapie dargestellt. Wir hatten uns allerdings vor einem Jahr vorrangig auf die Reisethrombose nach längeren Flugreisen (>3h) gestützt.

Das Thromboserisiko bei Reisen auf der Strasse wurde bisher kaum in den ärztlichen Gesprächen beachtet und auch von den Patienten nicht in der Häufigkeit nachgefragt. Inzwischen weisen aktuelle Studien aber darauf hin, daß das Reisen mit Auto und Motorrad, im Buss oder LKW ein vergleichbares Thromboserisiko zeigen, wie die bekannte Reisethrombose bei Mittel – und Langstreckenflügen.

Nimmt die Zahl an Reisethrombosen zu? Aus unserer Erfahrung in den beiden SaphenionVenenzentren Berlin und Rostock ein eindeutiges JA!

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto -/ Motorradfahrt – Prophylaktische Hinweise

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto- / MotorradfahrtRisiko Thrombose und Embolie

Eine wichtige Ursache der venösen Lungenembolien ist die tiefe Venenthrombose. Sie entsteht durch die Bildung eines Blutgerinnsels in den Bein­venen, das den Blutfluss beeinträchtigt. Der Patient bemerkt die Thrombose durch Schmerzen im Bein. Es schwillt an und ist druckschmerzhaft, schwer und auch gerötet. Meistens beginnt eine Reisethrombose in den oberflächlichen oder tiefen Venen des Unterschenkels, hier ist auch der Venendruck am höchsten – zwischen 90 – 120 mmHg. 

Somit sind alle Reisenden, die lange (>3 – 4h) im Flugzeug, Auto, auf dem Motorrad oder auch im Fernbus unter beengten Verhältnissen sitzen, potentiell einem Thrombose – Risiko ausgesetzt. Sind jedoch Thrombosen oder Venenentzündungen in der Familie bekannt oder hat eine Operation vor der Reise stattgefunden, ist eine Thrombosegefahr sehr real. Besteht eine Schwangerschaft oder sind Krampfadern vorhanden, steigt das Risiko auf das 8 – 12fache! Am höchsten ist das Risiko bei Frauen kurz nach der Entbindung.

Besonders zu beachten ist die früher als Venenentzündung bezeichnete Oberflächliche Venentrombose (OVT). Diese betrifft häufig nur einen kleinen Seitenast, zeigt sich in einer Rötung und schmerzhaften Verhärtung der Vene über eine kurze Distanz von 2-5 cm. Aber ein Patient kann nicht einschätzen, was sich in der Tiefe bereits abspielt. Hat sich die OVT bereits in eine Verbindungsvene oder eine Muskelvene ausgedehnt oder vielleicht schon in das tiefe Venensystem. Diese Fragen stehen akut an – sie sind aber nur durch eine umgehende Ultraschalluntersuchung zu klären. Dies ist aber im Bus, Auto oder auf dem Motorrad nicht durchführbar. Deshalb ist eine Therapie ex juvantibus (aus der Erfahrung der Wirkung heraus) zunächst ohne Diagnostik sinnvoll.

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto – / Motorradfahrt – Stehende Blutsäule im tiefen Venensystem 

Fernreisen begünstigen solche Probleme, weil das Blut beim langen Sitzen nicht wie sonst frei im Bein zirkulieren kann. Die Symptome können relativ kurz nach der Reise auftreten, aber auch bis zu vier Wochen danach. Das betrifft grundsätzlich alle Reisemittel, also auch Fahrten im Auto, auf dem Motorrad (angewinkelte Beine!) oder im Bus. Das Risiko ist – nach aktuellen Erfahrungen – vergleichbar hoch dem bei längeren Flugreisen. Wir wissen inzwischen, daß neben der eingeschränkten Bewegungsfreiheit der Beine, dem langen Sitzen in verkrampfter Haltung, enge Kleidung, Flüssigkeitsmangel und vor allem auch eine bekannte Thrombose – Vorerkrankung oder vererbte oder erworbene Gerinnungsstörungen daran beteiligt sind.

Entscheidend ist bei der Venenthrombose, daß die venöse Blutsäule in den Venen des Beines, insbesondere in den Unterschenkelvenen über längere Zeit „steht“. Dies löst dann eine Gerinnungskaskade aus, die zunächst mit einem lokalen Verschluss der Vene beginnt und sich bei fehlender Therapie dann in den tiefen Venen in aufsteigender Richtung fortsetzt. Das Lungenembolie – Risiko steigt drastisch auf 60% an, wenn die Thrombose die Knievene erreicht.

Der Autor hat eben diesen beschriebenen Mechanismus auch selbst erlebt, als er nach einer langen Autofahrt zum Wohnwagen in Mecklenburg auf dem Zeltplatz eine Lungenembolie erlitt.

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto – / Motorradfahrt – Vorbeugende Therapiekonzepte

Für das Saphenion Protokoll Prophylaxe Reisethrombose wurden einige Studien analysiert. Insgesamt ist die Datenlage auf dem Gebiet der Reisethrombose jedoch noch nicht sehr umfangreich. Zu Fragen der Prävention von Reise­thrombosen gibt es nur wenige Stu­dien, so dass die meisten Empfehlungen auf Experteneinschätzungen beruhen.

Da­raus resultieren international auch unterschiedliche Leitlinienempfehlungen. Während britische Fachleute neben allgemeinen Maßnahmen für eine ganze Reihe von Patienten wadenlange Kompressionsstrümpfe empfehlen, weist die deutsche Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) darauf hin, dass bei gesunden Personen wegen des geringen Risikos in der Regel außer den allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen keine weiteren Vorkehrungen notwendig sind. Die US-Leit­linie spricht sich explizit gegen den Einsatz von Anti­koagulanzien zur Prävention einer Reisethrombose aus.

Britische und deutsche Mediziner empfehlen – wie wir auch – bei Reisenden mit hohem Risiko nach individueller Abwägung eine Einmalgabe von niedermolekularem Heparin. Insbesondere in den USA werden von Reisenden ASS / ASPIRIN und ähnliche, frei verkäufliche, preiswerte Thrombozytenaggregationshemmer als Thromboseprophylaxe allgemein favorisiert. 

Diese Therapie ist nach unserer Meinung jedoch weitgehend wirkungslos. Bereits in 1988 hat der Autor in seiner Dissertation an der Humboldt Universität zu Berlin darauf hingewiesen, dass diese Substanzen im Venensystem keine wesentliche antithrombotische Wirkung erreichen. Diese Aussage wird von vielen Autoren auch aktuell bestätigt.

SaphenionPatientenInfo: Thromboserisiko bei Auto-/ Motorradfahrt – Prophylaxe Protokoll Reisethrombose

Wir empfehlen für die Reisesaison, egal ob Bus, Flugzeug oder lange Autofahrt folgende Prophylaxe:

Tragen von Kompressionsstrümpfen Klasse 1 – 2 bei Flügen von mehr als 2 Stunden Dauer für Patienten mit bekannten Risikofaktoren und bei bestehendem Krampfaderleiden.

Einmalige Injektion von Heparinpräparaten vor Reisebeginn bei Patienten mit bereits bekannter tiefer Venenthrombose oder Oberflächlicher Venenthrombose (früher: Venenentzündung) – gerade bei diesen Patienten ist unter aktuellen Therapiekriterien eine Heparinprophylaxe neu zu empfehlen, da das Risiko einer Tiefen Venenthrombose erheblich steigt. 

Die Gabe von Heparin bei Schwangeren und Müttern unmittelbar nach der Entbindung muss individuell diskutiert werden.

Und es sollte unbedingt eine Sanierung des Venensystems erfolgen, wenn bereits Oberflächliche Venenthrombosen stattgefunden haben. Hier steht eine ganze Palette endovenöser Therapieverfahren zur Verfügung. Diese sind bereits 6 – 8 Wochen nach einer akuten OVT anwendbar. Eine radikal – chirurgische Therapie ist nach unserer Meinung nicht mehr Therapie der 1. Wahl und wird in den aktuellen Leitlinien zur Krampfadertherapie auch nicht mehr in diesem Sinne definiert..

Photos: Sylvia Wagenknecht, Utzius

References / Links:

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Lippi G, Favaloro EJ. Car Travel-Related Thrombosis: Fact or Fiction? Semin Thromb Hemost. 2018 Jun;44(4):327-333. doi: 10.1055/s-0038-1654716. Epub 2018 May 15. Review. PubMed PMID: 29763962.

Sándor T. Travel thrombosis: Pathomechanisms and clinical aspects. Pathophysiology. 2008 Dec;15(4):243-52. doi: 10.1016/j.pathophys.2008.10.001. Epub 2008 Nov 18. PubMed PMID: 19019640.

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https://blog.mietwagen-check.de/thrombose-auch-im-auto-das-koennen-sie-tun

https://aiomag.de/vorbeugen-und-anzeichen-erkennen-thrombose-beim-autofahren-11718

Dipl. med. Ulf Thorsten Zierau: Die Bedeutung des Krankheitsbildes der tiefen Bein – und Beckenvenenthrombose – Prinzipien der Diagnostik, Therapie und Prophylaxe am Charité – Klinikum Dissertationsschrift an der Medizinische Fakultät der Humboldt Universität Berlin, 1988. S.34-37

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