Venöse Durchblutungsstörungen – unbehandelt ein hohes Risiko!

 

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Venöse Durchblutungsstörungen können ebenso, wie das sog. Raucherbein, zu erheblichen Beeinträchtigung  und sogar drastischen Veränderungen im individuellen Lebensablauf bis hin zum Verlust des Beines oder durch eine Lungenembolie auch zum Tod führen.

Eine Stammvaricosis verändert chronisch den Venendruck in den kleinen venösen und Kapillaren, d.h. es kommt zu einer Erhöhung des Drucks auf fast 100 mmHg, dies entspricht dem Druck in den arteriellen Strombahn, damit ist der Sauerstoffausgleich sehr reduziert. Gleichzeitig wird aber auch die Aufnahme von Blutabbauprodukten massiv eingeschränkt und diese lagern sich im Gewebe ab (Pigmentation).

Gleichzeitig werden Eiweisse ins Gewebe filtriert und diese ziehen Gewebeflüssigkeit an (Schwellung/Ödem) damit verschärft sich die Durchblutungsstörung weiter und es kann zu Hautveränderungen kommen.
Die Gefahr einer Thrombose besteht dann, wenn zum krankhaften venösen Rückfluss dann noch langes Stehen, oder lange Zwangshaltung (Auto, Bus, Flugzeug ) kommt, oder aber Hormone eingenommen werden.
Primär besteht also eine zweifach erhöhte Gefahr zu einer Thrombose, die aber durch die Umstände zur achtfachen Potenz im Vergleich zum Venengesunden sich verändern kann. Man kann schlecht im einzelnen Fall das individuelle Risiko abschätzen, jedoch gibt es eben diese Faktoren, die dann das Risiko für den einzelnen Patienten drastisch erhöhen. Insofern ist eine Therapie gerade auch unter diesem Aspekt der individuellen Risikoabschätzung angeraten.

Bei Nichtbehandlung wirkt der praktisch konstant wirkende venöse Überdruck sehr negativ auf die Endstrombahn der Gefäße aus (Arteriellen, Kapillaren, Venolen). Es lässt sich eine sog. Mikroangiopathie nachweisen. Die Kapillaren sind erweitert und vermehrt geschlängelt, es treten eiweissreiche Flüssigkeit und zelluläre Elemente (Erythrozyten, Thrombozyten) in das Gewebe aus und werden dort abgelagert.

An Stellen mit besonders ungünstiger Hämodynamik können sich durch die chronische Mikroangiopathie schwere Hautveränderungen ( Verhärtung, Keratose, Hyperpigmentation, Ulcus cruris) bilden.

Zusätzlich fällt der gemessene Sauerstoffdruck auf eine so tiefes Niveau, wie es sonst nur bei schwerem Raucherbein gemessen wird!  Wir sprechen somit von einer venösem Durchblutungsstörung.

In jedem Fall ist – wie auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie verankert, eine Therapie notwendig. Hier haben die verschiedenen  Katheterverfahren Radiowelle, Laser und die Venenverklebung durch VenaSeal das klassische „Stripping“ abgelöst. Diese Methode kann nach unserer Ansicht nicht mehr als „Gold Standard“ gesehen werden, zumal es eine wissenschaftliche Validierung der radikalchirurgischen Therapie noch gar nicht gibt.

Literatur:

Klinisch Patophysiologie, W.Siegenthaler; G. Thieme Verlag Stuttgart, 1987

 

 

Zeitgenössische Darstellung operativer Techniken:

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Bilder aus:

Chirurgische Operationslehre; Bier, Braun, Kümmel;

Hrsg.: Fischer, Gohrbrandt, Sauerbruch; Johann Ambrosia Barth, Leipzig 1958

 

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