Saphenion Protokoll: Klebender Mikroschaum

Dr. U.Th.Zierau, Dr. Lillie Martell, PD Dr. W.Lahl

Saphenion Protokoll: Klebender Mikroschaum: 37 Monate Erfahrungen

Im Saphenion Protokoll: Klebender Mikroschaum wird die Weiterentwicklung der Mikroschaumtherapie beschrieben. Klebender Mikroschaum ist eine Modifikation des zur Verödungstherapie allgemein eingesetzten Ethoxisklerol – Mikroschaums.

Mit dem Erfolg des Venenklebers lag die Idee nah, den Mikroschaum weiter zu entwickeln. Veröden und Kleben simultan ist eine der möglichen Variationen. Diese Variation eignet sich dann auch sehr gut für die Therapie der Stammvaricosis

Saphenion Protokoll: Klebender Mikroschaum: Kurze Historie der Mikroschaumtherapie

Der Mikroschaum zur Behandlung von Krampfadern ist seit 1938 bekannt. Er hat sich in den 90er Jahren als feste Therapie von Krampfadern und Besenreisern etabliert. Das Behandlungsmanagement des Krampfaderleidens wurde eindeutig erleichtert und die Therapie wurde schonender. Seit 2010 hat auch die FDA (Food and Drug Administration) in den USA die Mikroschaumtherapie mittels Ethoxysklerolschaum zur Therapie von Krampfadern zugelassen und als „gold standard“ der Besenreiser – und Netzvenentherapie erklärt.

Die Europäischen Gefäßchirurgen haben die Mikroschaumtherapie der Stammvaricosis  in ihren Leitlinien 2015 vor das Stripping (Herausziehen) gesetzt.

Die radikale Stripping – Technik ist nach den Europäischen Leitlinien Therapie der 3. Wahl!


Video von Michelle Lenk: Sealing Foam Therapie von Stamm / Seitenastkrampfadern

News: Klebender Mikroschaum

Saphenion setzt die Mikroschaumtherapie seit 14 Jahren ein. Wir haben einige Veränderungen der Injektionstechnik und beim  Mikroschaum eingeführt. Die siebenjährige erfolgreiche Arbeit mit dem Venenkleber „VenaSeal“ legte die Idee nahe, auch dem Mikroschaum zusätzlich eine klebende Wirkung zu geben.

Durch diese  technischen Verbesserungen, die Modifikationen des Schaums und die permanente Nutzung des Ultraschalls ist die Therapie von Seitenästen und partiell oder komplett defekten Stammkrampfadern (bis maximal 4 – 5mm Durchmesser) möglich. Sie wird nach der Diagnostik  in allen klinisch möglichen Fällen auch empfohlen. Auch unter Kostenaspekten – gerade beim Selbstzahler – ist der klebende Mikroschaum eine hervorragende Alternative, da wir nun nicht mehr ausschließlich die kostenintensiven  thermischen Katheterverfahren oder den Venenkleber für die Behandlung defekter Stammvenenabschnitte benutzen müssen. Die Verschlussrate liegt bei 91 – 95%.

Ergebnisse nach Therapie mit klebendem Mikroschaum

Die Resultate beim Kleben der Stammvene mit Mikroschaum zeigen in einem Zeitraum von 37 Monaten eine höhere Erfolgsquote als das radikalchirurgische Stripping bei deutlich  geringeren Nebenwirkungen, einem gewebeschonenden Therapieablauf und einer sofort möglichen Mobilisierung.

Seit Dezember 2006 haben wir über 13978 Mikroschaumtherapien durchgeführt. In den letzten 37 Monaten (5/2016 – 6/2019) wurden bei Saphenion in 4260 Fällen für die Therapie von Krampfadern Klebender Mikroschaum gewählt.

In 456 Fällen wurde eine Stammvaricosis behandelt. Im Einzelnen betraf dies in 167 Fällen die V. saphena parva, bei 133 Patienten die V. saphena magna und in 156 Fällen akzessorische Venen.

Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 47 Jahre (18 – 92 Jahre). Die Therapie einer inkompletten Stammvaricosis ist im Zeitraum von 35 Monaten zu 100 % erfolgreich. Die Vena saphena parva zeigt sich in 94,5 % (154 Venen) verschlossen. Die Vena saphena magna war, über den Zeitraum von 37 Monaten betrachtet, in 91,7% verschlossen (122 Venen). Die akzessorischen Stammvenen waren in 94,2% verschlossen (147 Venen).

Die Gesamteffektivität des Verfahrens über alle Venen betrachtet, liegt somit bei 92,8%.

Geringere Nebenwirkungen

Aber nicht nur der Verschlusseffekt ist deutlich verbessert worden. Wir sehen auch wesentlich seltener die häßlichen post therapeutischen braunen Striche und Flecke, sog. Hyperpigmentationen.

Ecchymosen (Einblutungen unter die Haut) sind sehr selten (< 5%) geworden. Venenentzündungen haben wir in 7 Fällen gesehen. Eine partielle tiefe Venenthrombose von Unterschenkelvenen sahen wir in 2 Fällen. Dies hat uns veranlasst, bei allen Mikroschaum-Therapien im Stammvenensystem eine einmalige Thromboseprophylaxe durchzuführen (die Leitlinie zur Mikroschaumtherapie fordert dies nicht!).

In einem Fall entstanden mehrere Punktionsgeschwüre, allerdings wurde hier auswärtig mit Salben und Sprays experimentiert, so das die Ursache für die Geschwüre nicht fest zu stellen sind. In keinem Fall wurde von unseren Patienten über Sensibilitätsstörungen oder Taubheitsgefühl nach der Behandlung berichtet.

Im Wesentlichen wurde neben den sichtbaren kleinen Punktionshämatomen in erster Linie von Stranggefühl und Druckschmerz über der behandelten Vene berichtet. Auch muskelkaterähnliche Erscheinungen traten auf (dies ähnelt den Symptomen nach dem VenaSeal -Venenkleben).

Andere Nebenwirkungen traten nicht auf. Somit ist die Therapie mit Klebendem Mikroschaum eine sehr gute, wirkungsvolle, effektive und preisgünstige Alternative zu den häufig eingesetzten Katheterverfahren Laser, Radiowelle, Heißdampf, Clarivein und Venenkleber.

Damit ist die Mikroschaumtherapie auch für den Einsatz beim kosmetisch anspruchsvollen und für den älteren Patienten prädestiniert.


Klebender Mikroschaum – Thrombusreste werden minimalinasiv entfernt

Kommentar von Saphenion:

Zu der von einigen Kollegen praktizierten Mixtur mit Eigenblutentnahme, Koagulation des entnommenen Blutes im warmen Wasserbad und Mischung mit Ethoxisklerol gefolgt von der Reinjektion in die erkrankten Krampfadern haben wir eine distanzierte Haltung. Dieses aus der Naturheilkunde bekannte Technik ist zunächst in der Wirksamkeit umstritten, dazu kommen erhebliche Nebenwirkungen, wie Schüttelfrost und Fieber nach der Therapie.

Auch die reine Kochsalzverödung ist bei Seitenast – und Stammkrampfadern nicht vergleichbar effektiv und hat – wie schon vom Erstbeschreiber Paul Linser 1921 mitgeteilt – erhebliche Nebenwirkungen. Auf Grund der erheblichen Komplikationsraten nach Kochsalzverödung war diese Methode schon Mitte der 20er Jahre kritisch hinterfragt und durch die Glucoseverklebung ersetzt worden.


Referenzen:

https://www.sryahwapublications.com/open-journal-of-surgery/volume-2-issue-1?fbclid=IwAR0U0-wp9uimhOgrzdYrWM4UTy9ChvYtrL7MxsFGDW4rqcVtQyFNSqG8rM8

http://www.ejves.com/article/S1078-5884(15)00097-0/abstract

http://www.der-niedergelassene-arzt.de/fileadmin/user_upload/zeitschriften/vasomed/Artikel_PDF/2017/01-2017/Faerber.pdf

http://www.der-niedergelassene-arzt.de/fileadmin/user_upload/zeitschriften/vasomed/Artikel_PDF/2017/01-2017/Murena.pdf

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26557230

http://www.phlebology.de/leitlinien-der-dgp-mainmenu/280-leitlinie-zur-diagnostik-und-therapie-der-krampfadererkrankung

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23864535

http://gesundheitsnews.imedo.de/news/1017861-krampfadern-minimalinvasive-therapien-auf-dem-vormarsch

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26384639

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26036246

van den Bos R. et al. : Metaanalyse randomisierter klinischer Studien und Fallserien, J.Vasc. Burg., 2008, Aug.8

Bier,Braun Kümmel: Chirurgische Operationslehre, begründet. von F. Sauerbruch; Johann Ambrosius Barth, Leipzig; 1958

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.